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Ein neues Kapitel in der österreichischen Gesundheitsversorgung

Seit Kurzem ist die klinisch-psychologische Behandlung eine Kassenleistung. Niedergelassene Ärzte spielen in der Information und Beratung eine wichtige Rolle.

Seit 1. Jänner 2024 ist klinisch-psychologische Behandlung in Österreich Kassenleistung – ein Meilenstein für die psychosoziale Gesundheitsversorgung in Österreich. Die klinisch-psychologische Behandlung ist somit im Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz (ASVG) verankert und alle in Österreich versicherten Personen können erstmals von ihrer Sozialversicherung einen Kostenzuschuss für klinisch-psychologische Behandlung bekommen – wie auch schon für Psychotherapie.

Der Berufsverband Österreichischer PsychologInnen (BÖP) möchte nun sicherstellen, dass alle, die psychologische Unterstützung benötigen, auch den entsprechenden Kostenzuschuss dafür erhalten. Vor allem niedergelassene Ärzte spielen hier eine entscheidende Rolle und leisten einen wichtigen Beitrag dazu, die Menschen aufzuklären und Betroffene zu unterstützen. Denn sie sind oft erste Ansprechpartner für Patienten und deren Angehörige, kennen die Krankengeschichte der Betroffenen und können körperliche Erkrankungen ausschließen. Gleichzeitig fungieren sie als wichtige Vernetzungspartner zu den anderen Fachdisziplinen. Um diese Vernetzung in Richtung klinisch-psychologische Behandlung und den dafür geltenden Kostenzuschuss zu lenken, setzt der BÖP seit Anfang des Jahres eine intensive Informationskampagne um, die auch Ärzte dabei unterstützen soll, die wichtigsten Informationen betreffend Kostenzuschuss für klinisch-psychologische Behandlung an Patienten weiterzutragen.

Der Weg zum Kostenzuschuss

Um einen Kostenzuschuss für klinisch-psychologische Behandlung zu erhalten, braucht es keine Überweisung eines Arztes. Was allerdings spätestens vor Beginn der zweiten Einheit der klinisch-psychologischen Behandlung erforderlich ist, ist der Nachweis, dass eine ärztliche Untersuchung stattgefunden hat. Hierbei handelt es sich sozialversicherungsrechtlich gesehen um eine (ärztliche) Bestätigung an die Krankenversicherung, dass die in § 135 Abs 1 Z 2b geforderte ärztliche Untersuchung bei Inanspruchnahme einer klinisch-psychologischen Behandlung als Krankenbehandlung stattgefunden hat. In dieser Untersuchung wird beispielsweise ausgeschlossen, dass körperliche Erkrankungen für die psychische Erkrankung verantwortlich sind. Die ärztliche Untersuchung kann von Allgemeinmedizinern oder Fachärzten durchgeführt werden.

Die Höhe des Kostenzuschusses

Je nach Sozialversicherung variiert die Höhe des Kostenzuschusses für klinisch-psychologische Behandlung. Bei der ÖGK liegt der Kostenzuschuss für eine 60-minütige Einzeltherapie aktuell beispielsweise bei € 33,70, bei der SVS für eine Einzeltherapie (ab 50 Minuten) bei € 45,–, bei der BVAEB für eine Einzeltherapie (ab 50 Minuten) bei € 46,60.

10 Behandlungseinheiten sind anrechenbar

Nach einer ärztlichen Untersuchung sind maximal zehn Behandlungseinheiten möglich. Danach können Klienten ggf. bei Ihrer Sozialversicherung einen Antrag auf eine Verlängerung stellen. Hierfür muss gemeinsam mit dem Psychologen ein Antragsformular für den Kostenzuschuss ab der 11. Stunde ausgefüllt und bei der jeweiligen Sozialversicherung eingereicht werden. Dies kann postalisch oder online über die Website der jeweiligen Sozialversicherung erfolgen.

Behandlung via E-Card

Der Kostenzuschuss für klinisch-psychologische Behandlung ist ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Eine aktuelle Umfrage des BÖP – insgesamt 1.114 Klinische Psychologen in ganz Österreich haben im März 2024 an der Umfrage teilgenommen – macht allerdings deutlich, dass eine direkte Verrechenbarkeit der Leistungen auf der Grundlage einer Sachleistungsvereinbarung unerlässlich ist, um die psychosoziale Versorgung der österreichischen Bevölkerung zu sichern und den enormen Bedarf zu decken.
Laut Umfrage haben bereits 40 % der Klienten einen Antrag auf Kostenzuschuss gestellt. 81 % der Befragten halten den aktuellen Kostenzuschuss für zu niedrig, 93 % sind der Meinung, dass es neben dem aktuellen Kostenzuschuss zusätzlich unbedingt kostenfreie Behandlungsplätze braucht.

Deshalb bleibt das Ziel des BÖP eine direkte Verrechenbarkeit der Leistungen auf der Grundlage einer Sachleistungsvereinbarung zugunsten der Versicherten. Der BÖP ist zuversichtlich, gemeinsam mit den Sozialversicherungsträgern, eine gute Lösung in diese Richtung zu finden – zum Wohle aller Betroffenen in Österreich.

Informationsmaterial für Ordinationen

  • Formulare zum Downloaden:
    Formular für die ärztliche Bestätigung: https://bit.ly/boep_bestaetigung
    Antragsformular für den Kostenzuschuss ab der 11. Stunde: https://bit.ly/antragsformular_kostenzuschuss
  • BÖP-Helpline: Die BÖP-Helpline ist kostenlos und anonym von Montag bis Donnerstag von 9 bis 13 Uhr telefonisch (+43/1/504 8000) oder per E-Mail (helpline@~@psychologiehilft.at) erreichbar.
  • Folder „Klinisch-psychologische Behandlung“: In welchen Situationen Klinische Psychologen unterstützen können und wo man diese findet, erklärt der BÖP im Folder „Klinisch-psychologische Diagnostik, Klinisch-psychologische Behandlung/Psychologische Therapie“. Hier können Sie diesen und andere Folder online ansehen, downloaden oder bestellen: www.boep.or.at/folder

Der Weg zum Kostenzuschuss in 5 Schritten

  1. Der behandelnde Klinische Psychologe ist in die Liste der Klinischen Psychologen des Bundesministeriums eingetragen.
  2. Es liegt eine psychische Befindungsstörung vor, die eine Krankheit im sozialversicherungsrechtlichen Sinne ist.
  3. Die Durchführung einer ärztlichen Untersuchung spätestens vor der zweiten klinisch psychologischen Behandlung ist nachgewiesen, d. h. die ärztliche Bestätigung liegt vor.
  4. Die Honorarnote muss vom Psychologen ausgestellt werden.
  5. Einreichung seitens des Klienten der Honorarnote und der ärztlichen Bestätigung bei der jeweiligen Sozialversicherung.
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a.o. Univ.-Prof. Dr. Beate Wimmer-Puchinger© Inge Prader