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Leistung nur mit Zufriedenheit

Univ.-Prof. Dr. Dominik Wolf hat die Leitung der Klinik für Innere Medizin V, Hämatologie und Onkologie in Innsbruck übernommen. Im Interview erzählt er, warum Innsbruck einen guten Ruf genießt, was er für die Zukunft der Abteilung plant und warum nur zufriedene Mitarbeiter gute Leistung bringen.


Prim. Univ.-Prof. Dr. Dominik Wolf, Leiter der Klinik für Innere Medizin V, Hämatologie und Onkologie, www.i-med.ac.at. Foto: Florian Lechner

Sie haben im Oktober die Leitung der Hämatologie und Onkologie übernommen. Wie geht es Ihnen damit?
Es ist eine hoch anspruchsvolle und spannende Aufgabe. Ich möchte die Abteilung neu ausrichten und entwickeln, die Jungen, aber auch die Etablierten mitnehmen, um die Abteilung wissenschaftlich zu entwickeln. Dazu kommt eine klinische Positionierung als hämatologisch-onkologisches Top-Zentrum, das mit nationalen und internationalen Partnern eng kooperiert.

Wie sehen Sie den Stellenwert Ihrer Abteilung?
Wir etablieren in Westösterreich ein klinisches Netzwerk, das die Versorgung von Krebspatienten optimieren soll. Die massiven Entwicklungen im Feld der Krebsmedizin erfordern aber auch eine Neuausrichtung im Bereich klinischer Studien, damit sich unser Netzwerk im Wettbewerb um Mittel und Köpfe stark positionieren kann.

Sie stammen aus Bayern. Wie hat es Sie nach Innsbruck „verschlagen“?
Geboren bin ich an der österreichischen Grenze und aufgewachsen in Bayern. Ich habe in Erlangen-Nürnberg studiert, aber dann bereits das klinisch-praktische Jahr in der Chirurgie in Innsbruck absolviert. Als ich als KPJ-Student 1999 erstmals nach Innsbruck kam, habe ich meinen Chef, Prof. Dr. Günther Gastl kennen und schätzen gelernt. Ich wollte eigentlich nur ein bis zwei Jahre bleiben, aber Prof. Gastl förderte meine ersten wissenschaftlichen Aktivitäten und daher blieb ich viele Jahre. Ich absolvierte die Ausbildung zum Internisten und schloss 2008 die Habilitation für Innere Medizin ab. 2011 folgte dann der Ruf nach Bonn, wo ich eine Professur für Tumorimmunologie innehatte und ab 2013 stellvertretender Klinikdirektor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III, Abteilung für Onkologie, Hämatologie, Immunonkologie und Rheumatologie, am Universitätsklinikum war. Bonn ist ein sehr starker Forschungsstandort und ein klinisches Haus der Maximalversorgung, wo ich vieles bewegen konnte. Schließlich erhielt ich erfreulicherweise 2018 den Ruf retour nach Innsbruck, dem ich sehr gerne gefolgt bin und daher seit Oktober 2018 die Abteilung leite.  

Was schätzen Sie am Universitätsklinikum Innsbruck besonders?

Das Klinikum in Innsbruck ist nicht so klein, wie man denken könnte. Die Bettenanzahl ist beispielsweise durchaus vergleichbar mit Bonn. Innsbruck ist das Schwerpunkt-Krankenhaus für Tirol und Vorarlberg, also eine recht große Region mit über einer Million Einwohnern. In Deutschland gibt es eine viel größere Dichte an Großkliniken neben einer zudem sehr dezentralen Krebsversorgung in einer Vielzahl an Praxen. In Österreich hingegen hat das Uniklinikum eine viel größere Region zu versorgen und die onkologische Versorgung ist viel besser strukturiert und stärker zentralisiert. Die Medizinische Universität Innsbruck hat regional und international eine starke Position, ist leistungsfähig, hochmodern, wenn auch wie an allen Standorten gewisse Strukturprobleme gegeben sind, die gemeinsam gelöst werden müssen. Das klinische Versorgungsniveau ist jedenfalls sehr hoch und die Forschungsbereiche äußerst stark, vor allem was die Themen Entzündung und Immunologie von Krebs anbelangt. Starke Partnerschaften bestehen etwa mit Professor Dr. Herbert Tilg, Direktor der Universitätsklinik für Innere Medizin I und Professor Dr. Günter Weiss, Direktor der Uniklinik für Innere Medizin II. Sie sind ebenfalls hoch forschungsaktiv und bearbeiten neben klinisch translationalen Projekten auch die Grundlagenforschung. Dadurch entstehen starke Synergien – gerade im Hinblick auf die Felder Entzündung, Immunität und Krebs. Wir können viele Aktivitäten bündeln und die internationale Sichtbarkeit weiterentwickeln. Mit dem CCCI, dem Comprehensive Cancer Center Innsbruck, wurde zudem eine hervorragende Plattform geschaffen, die für Patienten beste Infrastruktur bietet. Gemeinsam können wir unseren Patienten hier hochinnovative Medizin bieten, die weit über klassische Leitlinienstandards hinausgeht.

Welche konkreten Pläne haben Sie für die Abteilung?
Ich möchte stark interdisziplinär arbeiten und für ein scharfes Profil sorgen. Wir werden uns unter anderem auf die Mikroumgebung von Tumoren am Beispiel Lungenkrebs und Myeloische Erkrankungen konzentrieren. Nicht nur in diesen Bereichen sind innovative klinische Studien von Phase eins bis drei geplant. Auch die translationale klinische Forschung, vor allem in der Immunonkologie, wird einer unserer Schwerpunkte sein, um die Interaktion zwischen Immunsystem und Krebs und die Wirkmechanismen von neuen Immuntherapien besser verstehen zu können. Viele Personen mit hoher Expertise am Campus sind hierbei involviert, denn gemeinsam sind wir besonders stark.

Welche Aspekte sind Ihnen für die Abteilungsleitung ein großes Anliegen?

Die Entwicklung von Karrieren in jeder Hinsicht, wobei dies klinische genauso wie wissenschaftliche Karrieren umfasst, ist mir ein besonderes Anliegen. Ich möchte gemeinsam mit Kollegen für die jungen Mitarbeiter als Mentor fungieren, sie unterstützen und optimale Rahmenbedingungen für deren Entwicklung und Zufriedenheit schaffen. Denn nur wer zufrieden ist, ist auch leistungsfähig. Diese Nachwuchsförderung ist auch im Sinne des Standortes, da man nur so talentierte Menschen an den Campus rekrutieren bzw. dort halten kann.

In welchen Bereichen liegt Ihr Forschungsschwerpunkt?
In der Forschung fokussiere ich die Interaktionen von Gefäßneubildung, Immunsystem und Krebs. Zudem sind schon seit Jahren Myeloische Neoplasien und die Immunregulation nach Knochenmarkstransplantationen Forschungsschwerpunkte, zu denen sich nationale und internationale Kooperationen gebildet haben.

Welche Entwicklungen und Innovationen erwarten Sie in der Onkologie in den nächsten zehn, fünfzehn Jahren?
Wir sind mitten in einer Innovationsflut. Es wird weitere Verfeinerungen gezielter Therapien auf Basis der Identifikation genetischer Veränderungen geben. Sequenzierungsmethoden bleiben ein wichtiges Thema, „Targeted Drugs“ basierend auf Genetik oder Fusionsgenen zu entwickeln. Vor allem gilt es aber auch, bei Resistenzen von Onkogen-abhängigen Tumoren auf vorangegangene Therapien neue Medikamente in der Hand zu haben, die immer noch Wirksamkeit entfalten. Zudem ist die Entwicklung der Immuntherapie mit der Einführung der Checkpoint-Antikörper nicht mehr aufzuhalten. Wir arbeiten gemeinsam mit vielen Kooperationspartnern daran, das Targeting der Mikroumgebung von Tumoren zu verbessern. Hierbei gilt es, den besonders dynamischen Bereich metabolischer Veränderungen von Tumoren besser zu verstehen und „metabolische vulnerabilities“ als neuartige Ansatzpunkte in der Krebstherapie zu definieren. Hier gibt es bisher quasi keine Therapeutika, und damit große Hoffnungen für weitere Optimierungen der Krebstherapie.
Die enorme Flut an Informationen stellt aber auch für Spezialisten eine Herausforderung dar. Sie sind daher auf Netzwerke angewiesen, um Informationen zu bündeln und sinnhaft zurück zum Patienten zu bringen. In der Krebsforschung sind verschiedenste Disziplinen eingebunden, ohne starke Bioinformatiker ist unsere Forschung daher heute nur mehr sehr schwer vorstellbar. Wir haben in Innsbruck mit Prof. Dr. Zlatko Trajanoski zum Glück einen hochdekorierten Bioinformatiker, der uns mit seinem Team hilft, mit großen Datenengen in verschiedensten Projekten umzugehen.

Sie haben sehr rasch Karriere gemacht und jung habilitiert. Was waren die wichtigsten Meilensteine, was die Hindernisse in Ihrer Karriere?
Ich habe keine großen Hindernisse wahrgenommen, hatte immer viele Freiheiten. Mein wissenschaftlicher Mentor, Professor  Gastl, war immens wichtig für mich, denn er räumte mir nicht nur die so enorm wichtigen Freiheiten ein, sondern bot mir auch die notwendige Infrastruktur. Ein Mentor kann immer nur die Rahmenbedingungen schaffen, zupacken muss man aber selbst und seine Ziele ambitioniert und geradlinig verfolgen.
Forschungsarbeit ist außerdem in der Regel „Freizeit“-arbeit. Ich war nie für Forschung freigestellt und das stellt natürlich bezüglich der Vereinbarkeit mit Familie und Partnerschaft eine große Challenge dar. Neben klinischer Erfahrung auch kompetitiv zu publizieren, ist aus diesen Gründen nicht einfach. Die Aufgabe von Mentoren ist es, Talente zu identifizieren und die Rahmenbedingungen für jene, die an einer Unikarriere interessiert sind, zu schaffen. Bei gleichzeitiger Verknappung der personellen Ressourcen wird das aber derzeit nicht gerade einfacher.

In welchen Bereichen sehen Sie in der medizinischen Ausbildung in Österreich die größten Vor- und Nachteile?

Ich halte die medizinische Ausbildung in Österreich für sehr gut, wobei ich freilich nur die Situation in Innsbruck kenne. Auch in Deutschland hat Innsbruck einen sehr guten Ruf. Besonders die Rotation zwischen den Fächern wird sehr positiv wahrgenommen, denn sie ist für interdisziplinäres Arbeiten essenziell. Die klinische Ausbildung mit einer breiten Versorgung einerseits und hochkomplexen Spezialversorgungen andererseits ist hervorragend, denn sie sichert die gesamte Breite einschließlich hochspezifischer Spezialfächer. rh

Karrieretipps für junge Mediziner

  1. Spaß bei der Arbeit, mit Freude wissenschaftliche Interessen verfolgen und den richtigen Standort und Mentor wählen.
  2. Fleiß, soziale und kommunikative Kompetenzen sind Kerneigenschaften erfolgreicher Teamarbeit.
  3. Breite klinische Ausbildung, um mit Neugier Neues zu erlernen und um soziale und menschliche Kompetenzen zu schärfen.

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