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GEFÄSSCHIRURGIE: Es gibt noch viel zu tun!

Die prominentesten Schlagworte, die für das Fachgebiet Gefäßchirurgie so typisch sind, kennen auch viele Laien nur zu gut: Aneurysma, Arteriosklerose, Schlaganfall, Diabetischer Fuß. Dennoch verdient das Thema Gefäßchirurgie deutlich mehr Aufmerksamkeit.


Assadian und Eckstein demonstrieren die Operationstechnik für das Bauchaortenaneurysma.

Bereits jeder vierte Österreicher leidet an arteriellen oder venösen Gefäßerkrankungen, man könnte sogar von typischen Zivilisationserkrankungen sprechen. Dabei könnte durch entsprechende Prophylaxe ein großer Teil davon verhindert oder zumindest abgeschwächt werden. Umso wichtiger sind eine verstärkte Aufklärungsarbeit und eine neue Schwerpunktsetzung. Doch nicht nur in der Bevölkerung bedarf es eines vertieften Wissens um Prophylaxe und Therapie, auch Mediziner unterschätzen häufig das Thema Gefäßchirurgie, das durchaus einiges zu bieten hat und durch rasant steigende Erkrankungszahlen zunehmend an Gewicht gewinnt.

Spannende Aspekte und viele Besonderheiten

Prim. Dr. Afshin Assadian, Vorstand der Abteilung für Gefäßchirurgie im Wiener Wilhelminenspital, gehört zu jenen Gefäßchirurgen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Informationslücken in der Öffentlichkeit und der Ärzteschaft aktiv zu schließen. In seiner Abteilung im Wilhelminenspital liegen die Schwerpunkte der Behandlung auf obliterativen und dilatativen Gefäßerkrankungen in allen anatomischen Bereichen mit Ausnahme der Herz- und intrazerebralen Chirurgie. Je nach Indikation wird mit Kathetermethoden – Ballondehnung oder Stent bei Einengungen, Stentgraft bei Aneurysmen – oder chirurgischen Methoden – Bypassmethoden, offene Desobliteration, Patchplastik – behandelt.
Nach den Gründen gefragt, warum Assadian sich letztendlich für die Gefäßchirurgie entschieden hat, ist die Faszination, die von diesem Fach ausgeht, deutlich hörbar: „Ich wollte immer in einem chirurgischen Fach tätig sein, die technischen Besonderheiten und die Subtilität haben eine unbändige Leidenschaft entfacht.“ Die Besonderheiten sind auch tatsächlich nicht in einem Satz beantwortet. „Die moderne Gefäßchirurgie unterscheidet sich deutlich vom alten Bild des ‚Installateurs für Menschen‘“, erklärt Assadian und fährt fort: „Es geht um eine gesamtheitliche Betrachtung der Patienten und der optimalen Behandlungsstrategien. Hier sind drei komplementäre Strategien von Bedeutung: die konservative Therapie mit Medikamenten, Lifestylemodifikation, Training etc., die endovaskuläre Therapie durch Aufdehnung mit oder ohne Stent sowie Stentgrafts bei Aneurysmen und die chirurgische Therapie, also die klassische Operation. Da alle drei aus einer Hand angeboten werden können, sind das Feld der Therapie und alle möglichen Kombinationen weit und anspruchsvoll.“
Des Weiteren sei die Entwicklung in der Gefäßmedizin sehr dynamisch. Natürlich sei es höchst bedauerlich, dass die Patientenzahlen in der Zukunft aufgrund der demografischen Veränderungen, insbesondere durch Überalterung, explodieren. Für das Fach selbst bedeute dies jedoch, dass es ein sehr zukunftsträchtiges bleibt.

Mehr Aufklärung tut not

„In Österreich ist das Potenzial und die Bandbreite der Gefäßchirurgie in der Vorbeugung dramatischer Erkrankungen sicher weder bekannt noch annähernd genutzt“, plädiert der Gefäßexperte für eine intensivere Öffentlichkeitsarbeit. „Als Beispiel dient die Schlaganfall verhindernde Chirurgie der Carotis. Immerhin werden bei ca. 33.000 Insulten jährlich und etwa 6.500 durch Carotiseinengungen verursachte Insulte in Österreich nur ca. 1.500 symptomatische Carotiden behandelt.“ Ähnliches gelte für die Verhinderung von Extremitätenverlust mittels Gefäßauf­dehnung oder Rekonstruktion sowie die Behandlung von Bauch­aortenaneurysmen, von denen es derzeit jährlich etwa 1.000 gibt, vom Potenzial her wären allerdings laut Assadian 6.000 möglich und sinnvoll.
Derzeit ist auch der Vorteil eines Amputationsregisters wieder häufiger im Gespräch. „Da es in Österreich keine stringenten Daten zum Thema gibt – also wie viel wird warum durchgeführt, wurde eine Verbesserung der Durchblutung angestrebt bzw. mit Spezialisten besprochen etc. –, ist eine bedarfsgerechte Versorgung nicht planbar“, erläutert Assadian. „Das Register könnte viele Fragen beantworten und zur bedarfsgerechten Planung der Behandlung beitragen.“ Immerhin sei die Amputationsrate in Österreich mehr als doppelt so hoch wie beispielsweise in Großbritannien.
Dabei müssen sinnlose Amputationen unbedingt verhindert werden und die Involvierung von Gefäßchirurgen kann dazu einen entscheidenden Beitrag leisten. Derzeit wird etwa nur bei 40 % der für eine Amputation angemeldeten Patienten ein Gefäßchirurg konsultiert, ein etwa gleicher Prozentsatz führt ohne engere Abklärung zur Amputation. Gerade im Fall von Diabetes würden wesentlich frühere Therapiebeteiligungen der Gefäßchirurgie zu besseren und rascheren Ergebnissen führen.
Viel versprechende Aussichten
Jungärzte auf der Suche nach einem geeigneten Fachgebiet entscheiden sich häufig aufgrund von Chancen, Ausbildungsplätzen, Weiterentwicklungsmöglichkeiten – so wie in vielen anderen Berufen auch. Für die Gefäßchirurgie sprechen laut Assadian mehrere Faktoren: „Eine sichere Zukunft, eine abwechslungsreiche Arbeit, technisch anspruchsvolle Operationen und auch endovaskuläre Arbeit sowie ein durchaus hoher akademischer Anspruch.“ Im Gegenzug muss ein Gefäßchirurg eben mit diesem hohen Anspruch zurechtkommen können und eine lange Ausbildungszeit in Kauf nehmen. Gerade in Fachgebieten, die an Bedeutung zunehmen, mutet das Tempo der begleitenden Entwicklungen mitunter höchst rasant an. In den vergangenen Jahren ließen einige Neuerungen in der Gefäßchirurgie aufhorchen: „Spannend sind etwa die risikostratifizierte Behandlung von Patienten, neue antithrombothische Medikamente, die Entwicklung der endovaskulären Therapie mit der Lösung alter und der Schaffung neuer Probleme sowie die enorme Weiterentwicklung der nicht-invasiven Diagnostik“, fasst Assadian zusammen.
Es bleibt demnach durchaus noch genug zu tun für neue und auch für erfahrene Gefäßspezialisten.

(BW)

Vascular International

Weltmarktführer bei Ausbildung von Gefäßchirurgen
Unter der Leitung von österreichischen, deutschen und schweizerischen Spitzenmedizinern bietet Vascular International Foundation and School (VI) praxisnahe Trainingskurse an. Die von eigens dafür entwickelten lebensechten Modelle des Gefäßsystems gelten weltweit als die innovativsten und besten, um komplexe und neue Operationstechniken zu lehren und zu üben. „Mithilfe der anatomisch korrekt nachgebildeten Kunststoffmodelle können Nachwuchschirurgen unter der Leitung von VI-Tutoren häufige bis komplexe Eingriffe in einem strukturierten und stressfreien Umfeld üben“, erklärt Prim. Priv.-Doz. Dr. Afshin Assadian, Mitglied des Stiftungsrates VI und Leiter der Gefäßchirurgie im Wilhelminenspital Wien. Die Einführung der Simulationstechnik bringt einen enormen Qualitätsschub in der Ausbildung der Gefäßchirurgen. Die Notwendigkeit, Gefäßchirurgen in Aus- und Weiterbildung für komplexere Eingriffe in wesentlich kürzerer Zeit zu trainieren, führte im letzten Jahr zu einer verstärkten Nachfrage an VI-Trainingskursen und Simulationsmodellen.
www.vascular-international.org

Ausbildungsschwerpunkte für Gefäßchirurgie

  • Beherrschung von Rekonstruktionen degenerativer Erkrankungen sowie Verletzungen der supraaortalen Gefäße, der Aorta und ihren Ästen, der Beckenarterien sowie der Arterien der oberen und der unteren Extremitäten;
  • Vertrautheit mit der Behandlung von irreversiblen Folgen arterieller Durchblutungsstörungen, welche nicht mehr rekonstruierbar sind (z. B. Sequestrektomie, kleine und große Gliedmaßenamputationen und Rehabilitationsmaßnahmen;
  • Vertrautheit mit den Möglichkeiten und Grenzen indirekt hyperämisierender Maßnahmen (z. B. thorakale und lumbale Sympathektomie, Rückenmarksstimulation);
  • Behandlung akuter Venenthrombosen durch Thrombektomie und Thrombolyse;
  • Behandlung von Störungen des oberflächlichen Venensystems (Varikosis, Phlebitis), Behandlungen von Störungen des venösen Rückflusses und Rekonstruktion tiefer Venen, Behandlung des akuten und rezidivierenden Ulcus cruris;
  • Beherrschung des ganzen Optionsspektrums der Dialyse-Shunt-Chirurgie;
  • Kenntnis der primären und sekundären Lymphabflusstörungen und deren Prävention;
  • Kenntnis kongenitaler Angiodysplasien bzw. Malformationen bezüglich ihrer Pathophysiologie, Diagnostik und therapeutischen Möglichkeiten;
  • Vertrautheit mit den Möglichkeiten und Grenzen der modernen endovaskulären Techniken (Kathetertherapie, Endoprothetik);
  • Vertrautheit in der Zusammenarbeit mit Angiologen, Nephrologen, Neurologen und Radiologen.

Die Weiterbildung in Gefäßchirurgie dauert drei Jahre. Sie beinhaltet vier Monate Gegenfach in der
Angioradiologie. www.vasc-surg.at


ÄRZTE FÜR KLINIKEN IM LANDKREIS PASSAU

Landkreis Passau Gesundheitseinrichtungen [zur Ausschreibung]

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FACHÄRZTIN/FACHARZT / ASSISTENZÄRZTIN/ARZT FÜR MEDIZINISCHE UND CHEMISCHE LABORDIAGNOSTIK / BLUTGRUPPENSEROLOGIE

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