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Ausbildung ist bei uns Chefsache

Prim. Dr. Werner Saxinger erläutert, warum das Krankenhaus Wels-Grieskirchen besonderen Wert auf die Jungärzteausbildung legt, warum immer mehr dermatochirurgische Eingriffe tagesklinisch erfolgen und warum eine Patientensteuerung durchaus Sinn ergeben würde.


MR Prim. Dr. Werner Saxinger, MSc, ist Abteilungsvorstand Dermatologie und Angiologie am Klinikum Wels-Grieskirchen. Schwerpunkte seiner Abteilung sind die Dermatochirurgie, die Dermatoonkologie sowie die Phlebologie. Saxinger ist Vorstandsmitglied der österreichischen Gesellschaft für Dermatochirurgie (ÖGDC), Vorstandsmitglied, Finanzreferent-Stv., Kurienobmann-Stv., Primarärztevertreter in der Ärztekammer für OÖ sowie Vorsitzender der der Ausbildungskommission. Er ist außerdem Mitglied des Oberösterreichischen Landessanitätsrates und Vorstandsmitglied der Krebshilfe OÖ. foto: zvg

? Ihr Haus wurde zum besten Turnusärzteausbilder in Oberösterreich gekürt. Was machen Sie besser als andere Krankenhäuser? Was bieten Sie Jungärzten Besonderes an?
Bei uns ist die Ausbildung Chefsache. Das ist uns ein echtes Anliegen. Die Jungen ticken ganz wertfrei anders als wir Erfahrenen. Man muss auf sie zugehen und sie mit ihren Stärken abholen. Man muss ihre großen Potenziale nutzen, etwa was die digitale Kompetenz betrifft, ihnen dafür auf der anderen Seite unser Know-how und unsere Erfahrung anbieten. Das ist eine Win-win-Situation für alle Beteiligten. Das braucht zwar zusätzliche Zeit, aber das ist Zeit, die gut investiert ist.
Neben dem Standard-Ausbildungsprogramm, das man ohnehin machen muss, etwa mittels Mentor-System, haben wir in unserem Haus zusätzlich ein eigenes Ausbildungsprogramm für alle Jungärzte etabliert, die zu uns kommen. In dieses Programm sind auch alle Primar- und Oberärzte voll integriert. Ich zum Beispiel mache jeden Monat für ärztliche Neueinsteiger im Haus einen zweistündigen Nahtkurs mit Schweinehäuten. Das kommt sehr gut an. Es ist auch ein Zeichen an die Jungärzte, das ihnen sagen soll: Ihr seid uns wichtig. Wir alle unterstützen euch, wir wollen euch persönlich kennenlernen. So essenzielle Aufgaben wie die Ausbildung darf man nicht immer delegieren. Man muss sich heute als Abteilung sicher ganz anders präsentieren, um das Interesse der Jungen zu wecken, ihnen etwas nicht Alltägliches anbieten. Wenn man das aber schafft, dann sind sie voll mit dabei und sehr engagiert.
Unser Bemühen um die Jungärzte hat sich inzwischen über die Landesgrenzen herumgesprochen. Wir bekommen inzwischen viele Anfragen von Jungärzten auch aus anderen Bundesländern.

? Sie haben also keine „Nachwuchssorgen“ für Ihre Abteilung?
Nein, im Gegenteil. Alleine für meine Hautabteilung gab es im Vorjahr über 50 Initiativbewerbungen für einen Ausbildungsplatz. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass die Dermatologie insgesamt kaum Nachwuchs­probleme hat, weil sie ein so spannendes und breites Feld ist, dass jeder hier seinen Platz finden kann.

? Ein medizinischer Schwerpunkt Ihrer Abteilung ist die Dermato­chirurgie. Welche Eingriffe führen Sie hauptsächlich durch? Wie wichtig sind Fallzahlen in der Chirurgie?
Was die Dermatochirurgie betrifft, sind wir ein sehr breit aufgestelltes Haus in Österreich. Wir führen im Jahr rund 4.000 operative Eingriffe durch, allein 500 Varizenoperationen und 160 Melanome. Im Hauttumorbereich bekommen wir auch viele Patienten aus anderen Bundesländern. Das alles ist nur möglich, weil ich die entsprechende technische und personelle Infrastruktur zur Verfügung habe. Im Haut-OP ist ein eigener Narkosearzt tätig und ganztägig zur Verfügung und ich kann auf einen zusätzlichen Eingriffsraum zugreifen. Ich bin sehr zufrieden mit der Infrastruktur im Klinikum Wels.

? Die Phlebologie, die Venendiagnostik und Venentherapie, ist Ihnen ein besonderes Anliegen, warum?
Wir kümmern uns sehr aktiv um die Phlebologie. Sie ist ein Kernstück unserer Abteilung, daher nehmen wir die Aufgabe auch sehr ernst. Krampfadern etwa sind längst zur Volkskrankheit geworden. Über 90 % der Varizen-Eingriffe werden inzwischen in unserer Tagesklinik abgewickelt. Nur sehr wenige Patienten bleiben über Nacht. Damit das funktioniert, sind eine sehr straffe Organisation und eine intensive Vorbereitung auf den Eingriff notwendig.
In der Tagesklinik, die übrigens in einem ganz eigenen Gebäude untergebracht ist und über einen eigenen Empfang, eigene Betten und ein
eigenes Team inklusive Anästhesie-Einheit verfügt, starten wir täglich um 6:30 Uhr mit den Vorbereitungen und Vorbesprechungen der an diesem Tag geplanten Eingriffe. Ab 8 Uhr wird durchgehend operiert. Die Arbeit teilen sich drei bis vier Dermatochirurgen auf. Um 17 Uhr schließt die Tagesklinik, sollten vereinzelt Patienten über Nacht bleiben müssen, werden sie in die normalen Bettenstationen verlegt.
Nicht nur, vor allem aber auch in der Dermatochirurgie hat das Tagesklinik-Setting aus meiner Sicht viel Potenzial. 50 bis 70 % aller Eingriffe lassen sich tagesklinisch abwickeln.

? Einen kritischen Bereich jedes Krankenhauses stellen die überfüllten Ambulanzen dar. Wie managen Sie diese Problematik?
Wir sind an sich eine reine Termin- und Notfallambulanz. Wir bieten auch Spezialambulanzen an, sind aber keine dermatologische „Wald- und Wiesenambulanz“. Das niedergelassene Angebot ist in der Region mehr als ausreichend, daher sind wir auch relativ streng, was den Zugang zu unseren Ambulanzen betrifft. Trotzdem kommen immer wieder Patienten direkt zu uns, weil sie nichts anderes kennen und über das niedergelassene Angebot gar nicht Bescheid wissen.
Ich halte eine verpflichtende Steuerung der Patientenströme mittelfristig für wünschenswert, auch wenn es gesundheitspolitisch dafür derzeit noch keinen Konsens gibt. Die Versorgungsschritte für die Patienten müssten klar strukturell geregelt sein, beginnend über das Gesundheitstelefon 1450, dann die Allgemeinmediziner und niedergelassenen Fachärzte und nur in den Fällen, wo es medizinisch absolut notwendig ist, in die Spitalsambulanz. Das muss ja auch im Interesse der Patienten sein, dass die, die unsere Hilfe wirklich benötigen, nicht so lange darauf warten müssen. Wer sich bewusst nicht daran halten will und direkt in die Spitalsambulanz kommt, sollte aus meiner Sicht einen entsprechenden Deckungsbeitrag leisten.

? An den Schnittstellen zwischen niedergelassenem und stationärem Sektor kommt es immer wieder zu Zeit- bzw. Qualitätsverlusten. Wie könnte die Situation aus Ihrer Sicht verbessert werden?
Auf persönlicher Ebene funktioniert die Zusammenarbeit mit unseren niedergelassenen Hautärzten und Allgemeinmedizinern sehr gut. Aber Sie haben recht, es ist ein Fehler im System. Ich kritisiere das schon seit langer Zeit. Wir haben zwei organisatorisch und vor allem finanztechnisch zwei völlig voneinander losgelöste Systeme, die beide aber die gleichen Patienten effizient und bestmöglich betreuen sollen. Das kann nicht funktionieren. Dieser Systemfehler gehört radikal aufgebrochen. Ich könnte mir zum Beispiel ein Pilotprojekt gut vorstellen, in dessen Rahmen man die ambulante Versorgung gemeinsam organisiert und aus einem gemeinsamen Topf finanziert, zum Beispiel indem sich niedergelassener und stationärer Bereich besser absprechen, Öffnungszeiten, Termine und Leistungen gemeinsam festlegen und koordinieren. Das ließe sich relativ rasch und einfach organisieren, wenn der entsprechende politische Wille dafür vorhanden ist. Das wäre meine Vision, die vielleicht auch Wirklichkeit werden könnte.

? Sie sind seit vielen Jahren Primarärztevertreter in der Ärztekammer für Oberösterreich und engagieren sich unter anderem auch im VLKÖ, dem Verband der leitenden Krankenhausärzte Österreichs. Welche Ziele verfolgen Sie?
Wir Primarärzte haben multiple Aufgaben zu erfüllen, wir müssen Top-Mediziner sein, engagierte Ausbildner, Strategen, effiziente Manager, gewiefte Budgetverhandler, Pharmaspezialisten und und und …  Um das alles bewerkstelligen zu können, braucht man einerseits umfassende Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, andererseits aber auch entsprechende Unterstützung. Dafür setze ich mich auf möglichst breiter Basis ein, in der offiziellen gesetzlichen Kammervertretung als Primarärzte-Vertreter ebenso wie im Verein der leitenden Krankenhausärzte. Denn wir haben alle das gleiche Ziel. vw


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