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Wie hat die Pandemie die Arbeit im Krankenhaus verändert?

Diese Fragen stellten wir Univ.-Prof. Dr. Klaus Markstaller, Leiter der Universitätsklinik für Anästhesie, Allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie.


© Meduni Wien/xavierarnau

Univ.-Prof. Dr. Klaus Markstaller. © Meduni Wien

?Was war für Sie in der Arbeit am Patienten im letzten Jahr die größte Herausforderung?
Am Beginn der Pandemie, vor rund einem Jahr, mussten viele Prozesse im Bereich der Klinik parallel umgestellt werden: Intensivmedizinische Kapazitäten wurden kurzfristig durch Umplanung von Operationen und Behandlungen geschaffen, der Umgang mit Schutzmaßnahmen musste vom gesamten Personal in kurzer Zeit und mit hoher Sicherheit beherrscht werden, die für uns noch unbekannte Erkrankung musste in ihrer klinischen Behandlung verstanden werden, zum Beispiel im Bereich der Beatmungstherapie oder der Beeinflussung der Blutgerinnung. Diese Elemente sind alle bis heute noch wesentliche Bestandteile unseres neuen Alltages, allerdings haben wir in Zwischenzeit die Erfahrung der letzten Monate und sukzessive belastbare Ergebnisse aus klinischen Studien, welche Therapieformen hilfreich sind und welche nicht.

?Haben Sie die Abwanderung von Medizinern in Richtung Coronaforschung erlebt?
Nein, eine Abwanderung haben wir nicht erlebt. Wir haben in diesem Feld allerdings eine hohe Forschungstätigkeit direkt im klinischen Bereich: Nahezu jeder Patient wird – bei entsprechender Einwilligung – in klinische Studien eingeschlossen, um möglichst rasch zu soliden Erkenntnissen zu kommen.

?Interessiert sich die Bevölkerung aus Ihrer Sicht jetzt mehr für medizinische Details im Rahmen von Behandlungen, die eigene Gesundheit oder Vorsorge? Oder beschränkt sich das Thema auf die Pandemie?
Mein persönlicher Eindruck ist, dass sich das gesteigerte Interesse im Bereich der Medizin primär auf alle Fragen rund um diese Pandemie konzentriert. Vielleicht haben aber niedergelassene Allgemeinmediziner hier andere Erfahrungen.

?Die wissenschaftliche oder auch pseudowissenschaftliche Expertise hat während der Coronapandemie einen großen Hype erlebt. Hat die Politik der Medizin den Rang abgelaufen?

Nein, das denke ich nicht. Die besondere Situation ist, dass wir es hier mit einem Naturereignis – aus menschlicher Sicht eher einer Naturkatastrophe – zu tun haben, welche aber im Unterschied zu vielen anderen Naturkatastrophen unmittelbar von uns Menschen beeinflusst werden kann. Diese Beeinflussung – bekanntlich über Präventionsmaßnahmen in der Übertragung des Virus – stellen natürlich eine Herausforderung für die Politik dar, sodass Medizin und Politik hier unmittelbar interagieren.

?Gibt es eine Kommunikationslücke zwischen der Medizin und der Bevölkerung? Wenn ja, wie könnte diese Lücke geschlossen werden?
Es gibt in diesem Bereich derzeit wohl eher zu viel als zu wenig Kommunikation. Das ist natürlich prinzipiell zu begrüßen, bedauerlicherweise ist der Inhalt der Kommunikation oftmals widersprüchlich. Bis zu einem gewissen Grad ist das unvermeidbar, da die Wissenschaft und klinische Erfahrung bei einer bisher unbekannten Erkrankung stets neue Ergebnisse bringen, die manchmal bereits kommunizierte Erkenntnisse wieder infrage stellen oder gar revidieren. Unabhängig davon hat sich allerdings auch eine bedauerliche Plattform für selbsternannte Experten ergeben, welche zum Teil wissenschaftlich nicht belegte Meinungen prominent vertreten haben und damit viel Verunsicherung in der Bevölkerung geschürt haben.

?Ist ein Plus an Vertrauen in Medizin als Heilkunst entstanden?
Die medizinischen Leistungen innerhalb des letzten Jahres waren enorm: Parallele Erforschung unterschiedlichster medikamentöser Ansätze, auch wenn hier noch kein großer Durchbruch erreicht wurde, Fortschritte in der klinischen Behandlung und ganz besonders die Entwicklung mehrerer Impfstoffe in so kurzer Zeit. Ich denke schon, dass dies zu mehr Vertrauen in der Bevölkerung geführt haben wird.

?Welche Entwicklungen erwarten sie in den nächsten drei Monaten in Bezug auf das Infektionsgeschehen und damit auf Ihre Arbeit am Patienten?
Bedauerlicherweise erwarte ich in diesem Zeitraum eine steigende Zahl von behandlungsbedürftigen Patienten und die Herausforderung, alle an Covid-19 Erkrankten, aber auch für alle, die nicht an Covid-19 erkrankt sind und eine Spitalsbehandlung benötigen, bestmöglich versorgen zu können. Erst im weiteren Verlauf ist mit einer Entlastung der Situation zu rechnen, nämlich dann, wenn ein möglichst hoher Teil der Bevölkerung geimpft sein wird.

?Sehen Sie die Krise als Chance für die ärztliche Tätigkeit im Spital?

Diese Krise hat sicher den hohen gesellschaftlichen Wert eines gut ausgebauten Gesundheitswesens aufgezeigt. Dies gilt vor allem für zentrale Versorgungsfächer – wie in unserer aktuellen Situation die Intensivmedizin – die in jeder Gesundheitskrise das Rückgrat in den Krankenhäusern darstellen. Weitere Beispiele wären etwa eine flächendeckende Schmerzmedizin und Palliativmedizin oder der weitere Ausbau der präklinischen Notfallmedizin. Die Chance liegt hierin, dass diese Bereiche vermehrt wahrgenommen werden und für die Zukunft ausgebaut werden könnten, um so jederzeit bestmöglich vor medizinischen Krisensituationen geschützt zu sein. rh


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