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„Routine gibt es nie“: Die Arbeit von Ärzten und Pflegekräften während der Corona-Pandemie

Die Arbeit von Ärzten und Pflegekräften ist immer wichtig – aber während der Corona-Pandemie ist sie ganz besonders.


Fotos: © Helge Bauer, EKH

Dr. Hans Jörg Neumann, MSc., Abteilungsvorstand der Abteilung für Innere Medizin

Intensivmediziner Prim. Priv.-Doz. Dr. Michael Zink, DEAA

OA Dr. Hans Winkler

Die Covid-Station 1A am a. ö. Krankenhaus der Elisabethinen Klagenfurt zählt zu Kärntens größten Covid-Stationen. Abteilungsvorstand Prim. Dr. Hans Jörg Neumann, MSc, und OA Dr. Hans Winkler, die stellvertretende Stationsleitung DGKP Angelika Kaufmann und Intensivmediziner Prim. Priv.-Doz. Dr. Michael Zink, DEAA, geben Einblick in ihr Arbeitsleben mit Covid-19. Für die diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin Angelika Kaufmann und ihre Kollegen fühlt sich die Pandemiezeit an wie ein Marathonlauf in Schutzkleidung. Schutzanzug mit Kittel, Haube, Mundschutz, Visier, drei Paar Handschuhe – das ist die Montur, in der sich Ärzte und Pflegekräfte in der roten Zone um ihre Covid-Patienten kümmern: Visiten, Blutabnehmen, Infusionsgaben, zum nächsten Patienten … Extrem fordernd ist derzeit der Job, aber der Großteil der Ärzte und Pflegekräfte macht ihn immer noch gerne und das, obwohl er in einem Umfeld ist, das die meisten lieber gar nicht erst betreten.

Völlig neue Herausforderungen

Beim Verlassen des hochinfektiösen Stationsbereichs zieht man die Schutzkleidung wieder aus. Das nimmt sogar noch mehr Zeit in Anspruch. Schon alleine die Handschuhe müssen einzeln von der Hand gestreift werden, dazwischen wird desinfiziert. Das Prozedere ist dabei genau vorgegeben. „Jeder Patientenkontakt muss jetzt noch besser geplant werden“, beschreibt Kaufmann, die seit 27 Jahren diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin ist, 25 Jahre davon ist sie im Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt beschäftigt. Die Herausforderungen durch Corona sind aber selbst für sie völlig neu. 253 schwer erkrankte Patienten (Stand 9. März 2021) wurden seit Beginn der Pandemie am EKH behandelt, 59 sind verstorben. Zu Spitzenzeiten wurden auf zwei Stationen bis zu 50 Covid-Patienten behandelt. Gleich zwei internistische Stationen mussten zu Covid-Stationen umgerüstet wurden. Mittlerweile konnte man auf eine Station reduzieren. Die Auslastung der Covid-Station im allgemein öffentlichen Krankenhaus der Elisabethinen in Klagenfurt liegt aktuell bei über 90 %. Erwartungsgemäß ist derzeit wieder mehr los. 17 Patienten liegen auf der isolierten Station. Die maximale Bettenzahl liegt bei derzeit 24 Betten.

Einstellen auf Patientenzuwächse

Abteilungsvorstand Prim. Dr. Hans Jörg Neumann, MSc, und Oberarzt Dr. Hans Winkler sind die verantwortlichen Ärzte der Covid-Station: „Zehn bis 14 Tage nach dem Anstieg der Infektionszahlen in Kärnten landen in der Regel die ersten Patienten im Krankenhaus. „Wir wissen: Wenn man die Inzidenz und Altersverteilung genau im Blick behält, kann man sich gut vorbereiten“, sagt Neumann. Wichtig ist die Kooperation mit den Landeskoordinatoren, so wurden bislang auch 170 Patienten von externen Abteilungen an die Covid-Station des EKH Klagenfurt übernommen. Über die Patienten weiß er: Das mittlere Alter der Covid-Patienten beträgt derzeit 82, der älteste Patient war 101 Jahre und der jüngste Patient 33 Jahre alt. Großteils hatten sie Vorerkrankungen. Hohes Fieber, Husten, Luftnot, allgemeine Schwäche, Durchfall und Darmbeschwerden sind die häufigsten Ursachen für die Überstellung ins Krankenhaus und damit auch in die Hände von Covid-Fachkräften wie jenen im Ordenskrankenhaus der Elisabethinen.

Alltag auf der Covid-Station

Die Betreuung der Covid-Patienten nimmt sehr viel Zeit in Anspruch: „Man muss sich vorstellen, das sind Menschen, die vieles aufgrund ihrer Schwäche nicht alleine machen können. Sie können sich nicht waschen, alleine essen oder Medikamente einnehmen. Alleine die Morgenpflege nimmt pro Patient mehr als eine Stunde in Anspruch“, gewährt Kaufmann, die derzeit DGKP Maria Egger als Stationsleitung vertritt, Einblicke in ihre tägliche Arbeit und die ihrer Kollegen. Normales Sprechen mit den Patienten ist erschwert, was die Kommunikation mit den Patienten sehr trübt, denn die Pflege und Ärzte im roten, hochinfektiösen Stationsbereich tragen Mundschutz und Visier. „Die Akustik ist entsprechend schlecht und zudem fehlt die Mimik. Das ist mühsam. Am Ende des Tages ist auch das sehr ermüdend“, schildert Kaufmann.

Eigene Ängste hintanstellen

Die Abläufe auf der Station 1A am Elisabethinen-Krankenhaus sind nie Routine. „Tagtäglich stehen wir vor neuen Herausforderungen, die der Krankenhaus-Alltag mit sich bringt“, schildert der Winkler. Die Zusammenarbeit im Team ist in so einer Situation extrem wichtig. Alleine ist man nie so stark wie im Team. „Wir helfen und unterstützen uns gegenseitig. Wir motivieren uns und schaffen es somit, unsere Covid-Patienten bestmöglich zu betreuen“, fasst Kaufmann die vergangenen Monate zusammen.

Aufregung und Hektik würden den Ablauf auf der Station nur irritieren und die Patienten verunsichern. „Die meisten unserer Patienten benötigen Ruhe, Fürsorge und auch im hochinfektiösen Bereich der Station angstlindernde persönliche Worte und das Halten der Hände.“ Bilder und Zeichnungen von der Familie, ein iPad für
Videotelefonate und kleine persönliche Gegenstände erleichtern den Erkrankten die Bewältigung der Einsamkeit.

Die eigenen Bedenken der Ärzte und Pflegekräfte vor einer Ansteckung sind längst in den Hintergrund gerückt. Am Beginn der Pandemie war es noch ganz anders. „Hier war Covid noch das große Unbekannte, wir wussten nicht, was auf uns zukommt. Natürlich hat man Respekt vor der Erkrankung und der Gedanke, andere Leute anzustecken, ist belastend. Regelmäßige Hygiene-Schulungen und geregelte Abläufe haben die Situation deutlich verbessert“, so Kaufmann.

Schwere Covid-Verläufe

„Die Zahl der Corona-Infektionen steigt derzeit wieder und mit Sicherheit werden einige Erkrankungen auch kritisch verlaufen“, vermutet Winkler, der seit 1991 am Elisabethinen-Krankenhaus tätig ist. „Verschlechtert sich der Zustand von erkrankten Patienten auf der Covid-Normalstation dramatisch, wird die Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin hinzugezogen und interdisziplinär wird der beste Weg für die intensivmedizinische Versorgung des Patienten gewählt.“ Rund 4 % aller Covid-19-Erkrankten des Elisabethinen-Krankenhauses benötigten bisher eine intensivmedizinische Behandlung. Die Patienten werden dann ins Klinikum Klagenfurt zur Intensivtherapie verlegt. Ein Patient wurde nach Wolfsberg überstellt. „Ab hier steigt der Pflege- und Betreuungsaufwand der Patienten nochmals enorm“, sagt Zink. Mit dem Monitoring werden Herz, Kreislauf und Sauerstoffsättigung engmaschig kontrolliert. Covid-19-Patienten mit einer schweren Erkrankung werden regelmäßig in Bauchlage gebracht, um die Atemarbeit zu unterstützen und mehr Sauerstoff ins Blut zu transportieren. „Was einfach klingt, ist ein großer Aufwand. Das Drehen in Bauchlage benötigt mindestens zwei Pflegekräfte und einen Arzt, denn der Patient im künstlichen Koma hat einen Beatmungsschlauch in der Luftröhre, Katheter in den Blutgefäßen, zusätzlich meist eine Magensonde und einen Blasenkatheter. Nichts darf herausrutschen oder abreißen“, sagt Zink.
Die Hoffnung der Ärzte und Pflegekräfte bleibt: „Der Impfstoff und wenn wir sehen, dass es einem schwer Covid-Erkrankten besser geht, zeigt uns, dass unsere Arbeit etwas bringt und sich der Einsatz lohnt. An irgendetwas muss man ja glauben“, betonen die Ärzte und Pflegekräfte der Covid-Station am Elisabethinen-Krankenhaus in Klagenfurt. kk


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