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Primärversorgung: PVE-Checkliste für den Businessplan

Die Primärversorgungseinheit (PVE) ist ein medial viel diskutiertes Thema mit oftmals unterschiedlich ausgelegten Begrifflichkeiten und Vorstellungen. Wir widmen uns diesem Thema, um ein wenig „Licht ins Dunkel“ zu bringen.


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Mag. Iris Kraft-Kinz, Steuerberaterin, Unternehmensberaterin MEDplan, iris.kraft-kinz@medplan.at, www.medplan.at.Foto: zvg

Die Sicherung der Gesundheitsversorgung ist eine der zentralen öffentlichen Aufgaben. Um eine Gesundheitsversorgung, die gleichmäßig verteilt und gut erreichbar, darüber hinaus in vergleichbarer Qualität und auf hohem Niveau angesiedelt ist, auch in Zukunft anbieten zu können, braucht es hinsichtlich ihrer (Weiter-)Entwicklung Vorgaben und Pläne. Ziel ist die Implementierung einer 24/7-Versorgung, von der Mediziner und Patienten gleichermaßen profitieren. Ein zentraler Baustein ist dabei die „neue Primärversorgung“.

?Was bedeutet Primärversorgung?
„Primärversorgung ist die erste Anlaufstelle für alle Menschen mit gesundheitsbezogenen Anliegen.“ Innerhalb der Primärversorgungseinheit (PVE) sind daher Haus­ärzte bzw. Allgemeinmediziner erste Ansprechpersonen, wenn es um gesundheitsbezogene Anliegen geht. Diese Primärversorgung wird nun durch teambasierte PVE erweitert. In diesen schließen sich Allgemeinmediziner mit weiteren Berufen des Gesundheitswesens, wie zum Beispiel Therapeuten in einem Zentrum oder mittels Netzwerks, zusammen, mit dem Ziel, Patienten zu erweiterten Öffnungszeiten umfassend und wohnortnah zu versorgen. Bei den PVE liegt der Fokus also auf der Arbeit im Team und auf einer gemeinsamen Patientenbetreuung. Bei der Sekundärversorgung handelt es sich wiederum um die Gesundheitsversorgung durch niedergelassene Fachärzte, die in der Regel erst nach einer Überweisung durch den Primärversorger konsultiert werden.

?Welche Aufgaben haben Primärversorgungseinheiten?
Die Aufgaben der PVE liegen sowohl in der Gesundheitsförderung und der Krankheitsprävention als auch in der Behandlung von chronischen und akuten Erkrankungen. Gleichzeitig koordinieren sie den Versorgungsprozess und gewährleisten so eine ganzheitliche und kontinuierliche Betreuung.

?Wer sind die Teammitglieder einer Primärversorgungseinheit?
Laut § 2 Abs. 2 des Primärversorgungsgesetzes (PrimVG) muss eine PVE aus einem Kernteam bestehen. Zu diesem Kernteam gehören Allgemeinmediziner und Angehörige des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflegepersonal. Weiters können auch Ärzte für Kinder- und Jugendheilkunde Teil dieses Teams sein. Darüber hinaus dürfen de facto fast alle Gesundheitsberufe in einer PVE beschäftigt werden.

?Welche Arten von Primärversorgungseinheiten gibt es?
Es wird zwischen drei Arten von PVE unterschieden:

  1. Netzwerk: Hier schließen sich Allgemeinmediziner und gegebenenfalls weitere Gesundheitsberufe zu einem Netzwerk zusammen. Das bedeutet, dass sich die Beteiligten hinsichtlich Öffnungszeiten, Vertretungsregelungen sowie Bereitschaftsdiensten abstimmen, aber nicht ihren jeweiligen Praxisstandort aufgeben.  
  2. Gruppenpraxis: Die Mitglieder der Gruppenpraxis, freiberufliche Allgemeinmediziner und gegebenenfalls weitere Gesundheitsberufe, sind gleichberechtigt und bieten an einem gemeinsamen Standort ihre Versorgung an.
  3. Gesundheitszentrum: Im Gesundheitszentrum wiederum arbeiten angestellte Ärzte und gegebenenfalls weitere Gesundheitsberufe unter einer ärztlichen Leitung an einem Standort zusammen.

?Wie wird eine Primärversorgungseinheit gegründet?
Zunächst muss jeder Einzelne für sich entscheiden, ob er überhaupt Unternehmer und vor allem Teamplayer sein möchte. Eine wichtige Frage ist, ob es mögliche Partner gibt, mit denen Sie gut und gerne zusammenarbeiten können und wollen? Wenn dem so ist, können Sie, sofern Sie Allgemeinmediziner sind, in einem ersten Schritt mit einer PVE-Interessensbekundung Ihr Vorhaben mittels Formular inklusive Kurzkonzept offiziell bekannt geben. Erst in einem zweiten Schritt geht es dann zum Ausschreibungs- und Bewerbungsprozess. In Wien beispielsweise werden alle PVE-Ausschreibungen auf der Website der Ärztekammer veröffentlicht. Es gilt zu beachten, dass die Bewerbungsfrist drei Monate beträgt und dass ein vollständiges Versorgungskonzept einzureichen ist. Nähere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter: www.pve.gv.at/der-weg-zur-gruendung.

?Rechnet sich eine Primärversorgungseinheit überhaupt?

Es empfiehlt sich natürlich, wie bei jeder anderen zu gründenden Ordinationsart auch, den obligatorischen Businessplan zu erstellen. Denn nur anhand eines individuellen Businessplans lassen sich die Chancen und Risiken Ihrer Ordinationsgründung überprüfen und welche Ressourcen Sie für die Umsetzung benötigen (s. Kasten).
Durch das breitere Leistungsangebot, die erweiterten Öffnungszeiten und die Kooperation mit vielen weiteren Berufen des Gesundheitswesens erhöht sich üblicherweise der Patientendurchlauf, was letztendlich zu höheren Umsätzen führt, auch wenn die fixen Kosten steigen. Darüber hinaus gibt es seitens Bund, Ländern, Gemeinden und der Sozialversicherungsträger attraktive Förderungen. In Wien beispielsweise erhält jede PVE 215.000 Euro und zusätzlich zur Fallpauschale eine Sonderpauschale von sieben Euro. Auch gibt es die Möglichkeit von EU-Förderungen, speziell für die ländliche Entwicklung.

?Welche Vorteile haben Primärversorgungseinheiten?
Die Vorteile für die Mediziner liegen in der vernetzten Teamarbeit, den geregelten Arbeitszeiten und der damit verbundenen besseren Work-Life-Balance. Durch die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Berufsgruppen wird zusätzlich ein wesentlich breiteres Leistungsspektrum angeboten. Außerdem gibt es bei der Gründung einer PVE die Möglichkeit der Anschubfinanzierung durch öffentliche Mittel (s. www.pve.gv.at). Die Vorteile für den Patienten liegen vorrangig in der wohnortnahen, verkehrsmäßig guten Erreichbarkeit und der ganzheitlichen Gesundheitsversorgung zu bedarfsgerechten Öffnungszeiten. Innerhalb von PVE gibt es darüber hinaus im Vertretungsfall immer einen Allgemeinmediziner, der den Patienten und seine Krankengeschichte kennt. Der Patient wird so den gesamten Behandlungsweg über begleitet, Terminvereinbarungen werden erleichtert, doppelte Arztwege unterbunden und lange Wartezeiten vermieden.

?Gibt es auch Kritikpunkte?

Es gibt die Befürchtung, dass es zu Wettbewerbsvorteilen für die PVE kommen könnte, wenn sie Dienstleistungen und Öffnungszeiten anbieten, die Einzelordinationen in der näheren Umgebung nicht anbieten.

?Gibt es bereits Primärversorgungseinheiten?

Österreichweit gibt es derzeit 33 PVE, wovon 28 bereits in Betrieb sind, vier in der Planung und eine in der Diskussion stehen. Beispiele für die erfolgreiche Umsetzung sind die Gruppenpraxis PHC Medizin Maria­hilf in Wien, das Gesundheitszentrum Fehring in der Steiermark oder das Primärversorgungnetzwerk Neuzeug-Siernig in Ober­österreich.

Anforderungen an eine Primärversorgungseinheit 

  • Wohnortnahe Erreichbarkeit
  • Bedarfsgerechte Öffnungszeiten
  • Erreichbarkeit für Akutfälle außerhalb der Öffnungszeiten auf Basis von Telemedizin, Telefon und Internet
  • Gewährleistung von Hausbesuchen
  • Sicherstellung der

    • kontinuierlichen Behandlung und Betreuung von chronisch kranken, multimorbiden (Palliativ-)Patienten
    • Behandlungsabläufe zwischen Versorgungsstufen und Betreuung in anderen Versorgungsbereichen

  • Barrierefreier Zugang und bedarfsgerechte Sprachdienstleistungen
  • Notwendige (medizinisch-)technische und apparative Ausstattung
  • Teilnahme an nationalen Vorsorge-, Screening- und integrierten Versorgungsprogrammen

Checkliste zur Erstellung eines Businessplans

  • Wer ist das Kernteam?
  • Welche Rechtsform kommt infrage?
  • Welche Partnerschaften bestehen für die PVE (z. B. Apotheke)?
  • Wie ist die derzeitige Versorgungssituation im Einzugsgebiet?
  • Welche Leistungen sollen in welchen Abläufen angeboten werden?
  • Was sind die gewählten Kommunikationswege und PR-Maßnahmen, um Patienten anzusprechen?
  • Wie wird der Gründungszeitplan aussehen?
  • Welche Gründungs- und Investitionskosten fallen an und wie hoch ist der Kapitalbedarf hierfür?
  • Wie sollen die Anfangsinvestitionen finanziert werden? Was kann über Förderungen abgedeckt werden?
  • Mit welchen Kosten ist im laufenden Betrieb der PVE zu rechnen?

Attraktivierung und Förderung der Primärversorgung

In Österreich ist die Stärkung der Primärversorgung (PV) ein wichtiges gesundheitspolitisches Vorhaben. Bereits seit einigen Jahren wird die Gründung von PV-Zentren und -Netzwerken unterstützt. Nun erhält Österreich zusätzlich 100 Millionen Euro aus dem EU-Aufbau- und Resi­lienzplan (Recovery and Resilience Facility – RRF), um die wohnortnahe Gesundheitsversorgung gezielt und nachhaltig zu stärken und innovative Versorgungsmodelle zu unterstützen. Im Juni wurde ein Stakeholderbeteiligungsprozess gestartet, eine Website und ein Newsletter informieren laufend über den aktuellen Stand des Projekts: primaerversorgung.gv.at


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