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Praxiswertermittlung: Wieviel ist meine Ordination wert?

Wer sich den Traum der eigenen Ordination durch die Übernahme einer bestehenden verwirklichen möchte, muss sich im Vorfeld natürlich mit seinem Vorgänger über eine Ablöse einigen. Dass das alles andere als einfach ist, versteht sich von selbst.


Mag. Iris Kraft-Kinz. Steuerberaterin, Unternehmensberaterin MEDplan. iris.kraft-kinz@medplan.at. www.medplan.atTina Jung, MBA. MEDconcept Unternehmens-beratung GmbH. www.medconcept.at. Foto: zvg

Einerseits muss sich der Übergeber – falls er vorhat, in den Ruhestand zu gehen – oft von seinem Lebenswerk trennen, was in der Regel mit reichlich Emotionen und dementsprechend hohen Preisvorstellungen verbunden ist. Andererseits möchte auch der Übernehmer nicht finan­ziell überfordert werden.

Gibt es die objektive „Formel“?

Rein finanziell betrachtet ist die Übernahme einer Ordination in vielen Fällen ein Vorteil – vorausgesetzt, der Preis stimmt. Denn grundsätzlich garantiert der bereits bestehende
Patientenstock von Beginn an Umsätze. Auch die Unterstützung und Einführung durch den Praxisübergeber sowie das bereits eingearbeitete Personal, das Ordinationsabläufe und Patienten bestens kennt, können zu einer erfolgreichen Praxisübernahme beitragen. Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang, den Kaufpreis der zu übernehmenden Ordination zu bestimmen und sich auch zu überlegen, wie eine Übergabe am besten gestaltet werden kann. Bei der Ermittlung des Praxiswertes gehen die Ansichten über die Höhe bei Übergeber und Übernehmer naturgemäß auseinander, und genau aus diesem Grund suchen beide Parteien in vielen Fällen nach einer objektiven „Formel“ zur Praxiswertermittlung.

Ideeller und materieller Praxiswert

Stand heute gibt es keine verbindliche Bewertungsmethode, weshalb auf unterschiedliche Ansätze zurückgegriffen wird. Gemeinsam haben Letztere allerdings, dass sie auf einer Grundlage aufbauen: Der Kaufpreis setzt sich aus dem ideellen Praxiswert und dem materiellen Wert der Praxisausstattung zusammen.

Bei der Ermittlung des ideellen oder auch immaterielles Praxiswerts, des sogenannten „Goodwill“, geht es darum, den Wert von Faktoren wie unter anderem dem Standort, der dort gegebenen Arztdichte sowie des Patientenstocks festzusetzen. Der materielle Praxiswert bezieht sich hingegen auf den Wert von Gegenständen wie etwa der Praxisausstattung, medizinisch-technischer Geräte, etwaigen Verbrauchsmaterialien, vorhandener IT oder bereits vorgenommenen baulichen Veränderungen.

Methoden zur Ermittlung

Im Folgenden werden zwei Methoden vorgestellt, die in der Praxis bevorzugt zum Einsatz kommen, wenn es um die Ermittlung des ideellen Praxiswertes geht:

a) Die Umsatzmethode:

Bei der sogenannten „Praktikerformel“ der Ärztekammer Wien setzt sich der ideelle Praxiswert aus einem Drittel des Jahresumsatzes, gemittelt aus den letzten drei Jahren, zusammen. Der Fokus bei dieser Methode liegt also auf dem Umsatzpotenzial.

Ideeller Praxiswert:
1/3  Ø der letzten 3 Jahre

Beispiel anhand einer Einzelordination Chirurgie (Kassenordination) mit folgenden Jahresumsätzen (Einnahmen laut Einkommensteuererklärung):

2018: EUR 485.000,–
2019: EUR 525.000,–
2020: EUR 535.000,–

Schritt 1: EUR 485.000,–
+ EUR 525.000,–
+ EUR 535.000,–
/3 = EUR 515.000,–

Schritt 2: EUR 515.000,–
/3 = EUR 171.666,67
Die Vorteile der Umsatzmethode liegen in ihrer Einfachheit, Schnelligkeit und Transparenz für alle Beteiligten; die Nachteile hingegen in der Fokussierung rein auf den Umsatz und damit der Nichtberücksichtigung des Gewinns und zukünftiger Umsätze und Erträge. Aus diesem Grund wird daher häufig auf die modifizierte Ertragswertmethode zurückgegriffen.

b) Die modifizierte Ertragswertmethode:

Die modifizierte Ertragswertmethode orientiert sich am Fachgutachten der Kammer der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer für Unternehmensbewertung. In einem ersten Schritt werden die Erträge – zumeist der letzten drei Jahre – kritisch beleuchtet und auf Basis dessen wird eine Zukunftsprognose erstellt. Bei der Analyse der Vergangenheitsdaten wird das Ergebnis um einmalige und nicht repräsentative Einnahmen und Ausgaben bereinigt.

Im Anschluss werden Annahmen bezüglich der zukünftigen Entwicklung der Praxis getroffen. Diese prognostizierten Erträge – beispielsweise für die nächsten drei Jahre – werden auf die Gegenwart abgezinst, sodass zukünftige Einnahmen aus heutiger Sicht berücksichtigt werden (Bewertungsstichtag). Für die Berechnung des Abzinsungssatzes orientiert man sich an kapitalmarktüblichen Ansätzen. Die Vorteile dieser Methode liegen in der Berücksichtigung der tatsächlichen Leistungskraft der Ordination, der zukunftsorientierten und nicht vergangenheitsorientierten Bewertung, der Berücksichtigung finanziell wirksamer Ereignisse (Cashflow) und der gemeinsamen Erarbeitung eines „ganzheitlichen“ Ansatzes. Zu den Nachteilen zählt, dass externe Berater zwecks einer zeit- und oftmals auch kostenintensiven Bewertung hinzugezogen werden müssen.

Die Ermittlung des materiellen Praxiswertes (=Sachwert)

Um den materiellen Wert der Praxisausstattung zu ermitteln, sollte die Bilanz oder das Anlageverzeichnis der Gewinn- und Verlustrechnung herangezogen werden. Daraus lässt sich der aktuelle Zeitwert der zu übernehmenden Vermögensgegenstände – wie zum Beispiel Grundstücke, Praxis- und Laborräume und deren Einrichtung, medizinisch technische Geräte, Verbrauchsmaterialien oder Kraftfahrzeuge – ableiten.
Klären Sie hierbei:

  • mit einem Sachverständigengutachten den Verkehrswert der Ausstattung,
  • die Notwendigkeit vorhandener Geräte,
  • die Neuanschaffung von Geräten und im Bedarfsfall deren Kosten,
  • die derzeitige Informationstechnik (IT).

Über die Sinnhaftigkeit einer Praxisbewertung

Nur auf Basis einer sachkundigen Bewertung kann eine qualifizierte Prognose des zukünftigen Erfolgs abgeleitet und in weiterer Folge ein seriöser Ordinationswert ermittelt werden! Ohne eine aussagekräftige neutrale Ordinationsbewertung wird es selbstredend auch bei der Fremdkapitalbeschaffung äußerst schwierig. Daher empfehlen wir: Sparen Sie bitte nicht „am falschen Ende“!

Mögliche Anhaltspunkte, um den ideellen Praxiswert zu finden

  • Wie hoch ist der durchschnittliche Umsatz pro Jahr?
  • Bleibt der Patientenstock bestehen?
  • Wurden durch den Vorgänger besondere Leistungen angeboten, die Sie nicht anbieten können oder wollen?
  • Ist ein nahtloser Übergang möglich?
  • Wie ist die Lage der Praxis? Wie groß ist das Einzugsgebiet? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, neue Patienten zu gewinnen? Besteht Barrierefreiheit oder sind Umbauten notwendig?
  • Wie hoch ist die Miete oder der Kaufpreis der Ordinationsflächen?
  • Welche Vergleichswerte von Kollegen gibt es – was haben diese für die Übernahme ihrer Praxis gezahlt?
  • Gibt es eventuell Abfertigungsansprüche des zu übernehmenden Personals?

Fahrplan für eine gelungene Ordinationsübergabe

1 Jahr vor der Übergabe
Prinzipiell wird empfohlen, mindestens ein Jahr vor der Praxisübergabe mit den Vorbereitungen zu beginnen. Neben der Besprechung mit dem Steuerberater empfiehlt es sich, auch jegliche Vertragsarten im Hinblick auf Kündigungsfristen zu überprüfen.

3 bis 6 Monate vor der Übergabe
Nachdem der Übergeber die Ärztekammer über die Praxiseinstellung informiert hat, sollten die Verkaufsgespräche mit den Erstgereihten durchgeführt werden. Im Anschluss kann ein Kaufvertragsentwurf von Steuerberater und Rechtsanwalt erstellt werden. Wichtig: Kassenklausel im Übergabevertrag nicht vergessen. Der Vertrag ist nur gültig, wenn die Kassenverträge an den Erwerber übergehen. Im Anschluss sollte der Übergeber seine bestehenden Verträge für die Praxis kündigen oder dem Käufer übergeben. Ausnahme ist der Mietervertrag. Es wird empfohlen, ohne vorherige anwaltliche Rücksprache diesen nicht zu kündigen.

1 Monat vor der Übergabe
Nun sollte der Übergeber mit dem Übernehmer die Details in einem endgültigen, schriftlichen Kaufvertrag regeln. Wichtig: Eine Vertragskopie muss als Einigungsnachweis an die Ärztekammer übermittelt werden!


Abteilungsvorstand Chirurgie (m/w)

Evangelisches Krankenhaus Wien; 1180 Wien [zur Ausschreibung]

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Facharzt für physikalische Medizin

Kurzentrum Bad Hofgastein; 5630 Bad Hofgastein [zur Ausschreibung]

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Abteilungsleiter (m/w) Viszeral Chirurgie

Evangelisches Krankenhaus Wien; 1180 Wien [zur Ausschreibung]

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Ärztliche/r Leiter/in

REDUCE GESUNDHEITSRESORT BAD TATZMANNSDORF; 7431 Bad Tatzmannsdorf [zur Ausschreibung]

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Fachärztin/Facharzt für Pneumologie/Innere Medizin

Wiener Gesundheitsverbund Klinik Hietzing; 1130 Wien [zur Ausschreibung]

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