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Interview Dr. Loizou / Med Uni Wien: Preiswürdige Krebsforschung

Dr. Joanna Loizou, PhD, von der MedUni Wien erhielt den prestigeträchtigen Mannagetta-Preis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Die Zellbiologin beeindruckt mit vielversprechenden Plänen für ihre Forschung.


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Dr. Joanna Loizou, PhD, MedUni Wien. Foto: MedUni Wien/Felicitas Matern

Joanna Loizou blickt auf eine klassische Wissenschaftskarriere zurück, aber auch voraus in die Zukunft. Es ist die Krebsforschung, die große Faszination ausübt, konkret DNA-Reparatur und Genomstabilität. Ärzte EXKLUSIV erklärt sie, wofür sie den Mannagetta-Preis erhalten hat.

?Können Sie kurz beschreiben, woran Sie forschen?
Wir erforschen DNA-Schäden und Reparaturwege, die für die Stabilität des menschlichen Genoms sorgen. Unser ultimatives Ziel ist es, dass unsere Forschung den Weg zu rationalen, präzisen und personalisierten therapeutischen Ansätzen für Krebserkrankungen und andere Krankheiten, die mit DNA-Reparaturdefekten verbunden sind, ebnet. Wir sind an der Medizinischen Universität Wien, im Institut für Krebsforschung, angesiedelt.

?Wofür haben Sie den prestigeträchtigen Mannagetta-Preis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften erhalten?
Meine Forschung konzentriert sich darauf, das komplizierte Puzzle zusammenzusetzen, das die Schadensreaktion menschlicher DNA auf zellulärer Ebene umfasst. So möchte ich ein umfassendes Verständnis dafür schaffen, wie solche Wege im Fall von Krankheiten schieflaufen, wobei der Schwerpunkt auf Krebs und Krankheiten mit chromosomaler Instabilität liegt. Wir gehen davon aus, dass unsere Forschung die Mechanismen, die zu zellulären Veränderungen führen, aufklären und den Weg für bessere Behandlungen von Krankheiten mit Chromosomeninstabilität, einschließlich Krebs, ebnen wird. Für meine Forschung auf dem Gebiet der Genomstabilität in der Onkologie wurde ich mit dem Mannagetta-Preis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ausgezeichnet.

?Welche Bedeutung haben Wissenschaftspreise für Sie?
Preise sind eine Form der Anerkennung von Leistungen. Daher bedeutet es mir sehr viel, wenn meine Arbeit und die meines Forschungsteams in Form eines Preises gewürdigt wird.

?Wie sind Sie eigentlich in Österreich „gelandet“?
Ich kam nach Österreich, um mein unabhängiges Labor am Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien einzurichten. Zum Zeitpunkt meines Vorstellungsgesprächs im Jahr 2010 befand sich das Institut noch im Aufbau, aber ich war von der Vision des wissenschaftlichen Direktors, Prof. Dr. Giulio Superti-Furga, beeindruckt, und angesichts des Forschungsbereichs des Instituts war ich überzeugt, dass es hervorragend zu mir passen würde.

?Welche Erfahrungen haben Sie als Frau in der Welt der Wissenschaft gemacht? Gab es jemals genderbedingte Einschränkungen?
Zu Beginn meiner Laufbahn, als Doktorandin, waren meine Kollegen in etwa gleich viele Männer und Frauen. Wenn Frauen jedoch auf der wissenschaftlichen Karriereleiter aufsteigen, verlieren wir sie, bis es auf Professorenebene in den Life Sciences weniger als 20 % Frauen gibt. Diese undichte Pipeline ist auf eine ganze Reihe von Faktoren zurückzuführen, unter anderem darauf, wie Frauen wahrgenommen werden, dass sie weniger Finanzmittel und kleinere Start-up-Pakete erhalten und dass ihre wissenschaftlichen Beiträge weniger Anerkennung finden. Glücklicherweise gibt es jedoch mehrere Initiativen, die darauf abzielen, diese Probleme zu beheben, und ich hoffe, dass wir in den kommenden Jahren erste Verbesserungen sehen werden.

?Was sind Ihre Pläne für die Zukunft? Was würden Sie gerne erreichen?
Ich befinde mich derzeit im ersten Jahr eines Forschungsprojekts, das bis 2026 läuft und vom Europäischen Forschungsrat (ERC) finanziert wird. Gemeinsam mit Kollegen von der Universität Cambridge, Großbritannien, und der ETHZ, Schweiz, werden wir in den nächsten fünf Jahren Spitzentechnologien in den Bereichen Gene Editing und chemische Biologie einsetzen, um wichtige Erkenntnisse über die Stabilitätsmechanismen des menschlichen Genoms zu gewinnen. Unser Ziel ist es, leistungsfähige Werkzeuge zu entwickeln, mit denen sich die Ergebnisse der DNA-Reparatur präzise steuern und die Entwicklung neuer Therapien für Krebs und andere Krankheiten beschleunigen lassen.

?Was würden Sie sich für die Forschung in Österreich wünschen?
Da das Lebenszeitrisiko, an Krebs zu erkranken, mittlerweile auf eine von zwei bis drei Personen geschätzt wird, ist es dringend notwendig, dass wir in Österreich mehr für die Krebsforschung tun. Mit „mehr“ meine ich eine bessere Finanzierung sowie eine bessere Ausstattung und Infrastruktur. Wir haben bei der Vorbeugung, Diagnose und Behandlung von Krebs einen langen Weg zurückgelegt, größtenteils durch akademische Forschung auf internationaler Ebene, aber damit sich Österreich auf dem Gebiet der Krebsforschung profilieren kann, brauchen wir eine bessere Finanzierung.

?Gibt es etwas, das Sie jungen Menschen, die eine Tätigkeit in der Forschung in Erwägung ziehen, gerne mit auf den Weg geben würden?
Eine Karriere in der wissenschaftlichen Forschung ist von ständiger Kreativität geprägt. Um erfolgreich zu sein, muss man in einem wettbewerbsorientierten Umfeld arbeiten, mit viel Ausdauer und einem gewissen Druck. Aber dabei werden Sie neue Wege beschreiten und neue Entdeckungen machen – und das ist unglaublich spannend. bw

Zur Person

Die gebürtige Britin/Zypriotin Joanna Loizou absolvierte ihren PhD in Molekularbiologie an der University of Manchester und am MRC Genome Damage & Stability Centre in Großbritannien. Als Postdoc war sie bei der International Agency for Research on Cancer der WHO in Lyon, Frankreich, und am Cancer Research UK in London, UK, tätig. Seit 2011 ist sie Principal Investigator am Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM) in Wien. Zudem arbeitet sie seit 2020 als Gruppenleiterin am Institute of Cancer Research an der Medizinischen Universität Wien. loizoulab.org


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