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Costsharing: Die Gemeinschaftspraxis reduziert für alle Partner die Kosten.

Neben der bekannten Gruppenpraxis gibt es eine weitere äußerst interessante Kooperationsmöglichkeit für Ärzte: die Gemeinschaftspraxis.


AutorInnen: Mag. Iris Kraft-Kinz, Steuerberaterin, Unternehmensberaterin MEDplan, iris.kraft-kinz@medplan.at, www.medplan.at; Tina Jung, MBA, MEDconcept Unternehmens-beratung GmbH, www.medconcept.at. Fotos: zvg

Per Definition handelt es sich bei Gemeinschaftspraxen um lose Zusammenschlüsse mehrerer freiberuflich tätiger Ärzte, die gemeinsam die Räumlichkeiten einer Ordination und möglicherweise darüber hinaus auch zusätzliche Ressourcen wie beispielsweise Marketing, Homepage oder Logo nutzen. Werden hingegen nur die medizinisch-technischen Geräte gemeinsam genutzt, spricht man von einer Apparategemeinschaft. Beide können gleichzeitig vorliegen.

Gruppenpraxis vs. Gemeinschaftspraxis

Im Gegensatz zur Gruppenpraxis tritt jeder Arzt der Gemeinschaftspraxis nach außen hin und gegenüber dem Patienten – auch haftungsrechtlich – alleine auf. Im Innenverhältnis zwischen den Ärzten sind verschiedene Rechtsformen  – abhängig von gesellschafts-, haftungs- und steuerrechtlichen Gesichtspunkten – zulässig. Ein weiteres Merkmal der Gemeinschaftspraxis ist, dass diese Ordinationsform sowohl von Wahlärzten als auch Kassenärzten genutzt werden kann. Das ist auch durchaus üblich, muss aber den Patienten vermittelt werden. Unabhängig davon, für welche Form des Zusammenschlusses Ärzte sich letztlich entscheiden: Eine Kooperation funktioniert nur mit Regeln, an die sich alle Beteiligten halten müssen. Daher sollten diese auch schriftlich in einer gemeinsamen Nutzungsvereinbarung festgehalten werden. Letztere kann unter anderem Regelungen betreffend der Nutzungszeiten, der Bezahlung von Reparaturen und Instandhaltungen, der Aufteilung von Personal- und Reinigungskosten, aber auch hinsichtlich eines möglichen Ausstiegs aus der Praxisgemeinschaft definieren.

Vorteil: Kosten aufteilen

Der häufigste Grund, sich für die Ordinationsform der Gemeinschaftspraxis zu entscheiden, ist wirtschaftlicher Druck. Über Mehrarbeit zusätzliche Einnahmen zu generieren, scheitert oft an der eigenen Belastbarkeit. Gleichzeitig verursachen – mitunter auch tageweise – ungenützte Ordinationsflächen unnötige Kosten. Die Lösung könnte eine „Untervermietung“ bzw. das sogenannte „Costsharing“ sein. Dabei kann beispielsweise die gesamte Ordination – sprich Räumlichkeiten, Geräte und Personal – oder auch nur einzelne Zimmer
zu festgelegten Zeiten „überlassen“ werden. Der Arzt kann sich somit ganz auf seinen Job konzentrieren, ohne sich um Infrastruktur und Organisation kümmern zu müssen, und dadurch einiges an Kosten sparen. Der Ordinationsinhaber kann wiederum zusätzliche Einnahmen generieren. Die Gemeinschaftspraxis fungiert als Kostengemeinschaft. Das bedeutet, dass die Einnahmen jedes Arztes einzeln erwirtschaftet werden, während die Ausgaben nach einem sachgerechten (Umsatz- oder Arbeitszeit-) Schlüssel auf alle Beteiligten aufgeteilt werden.

Costsharing in der Praxis

Anhand eines fiktiven Beispiels lässt sich die Sinnhaftigkeit dieser Ordinationsform verdeutlichen: Dr. Weiß hat eine Wahlarztordination für Dermatologie im 2. Bezirk. Da er aufgrund seiner Spitalstätigkeit die Ordination lediglich 20 Stunden die Woche nutzt, möchte er die Ordination einem Kollegen, dem Wahlarzt für Orthopädie Dr. Schwarz, stundenweise überlassen. Zwar bestünde die Möglichkeit für die gemeinsamen Kostenblöcke eine eigene Gesellschaft zu gründen, Weiß hat sich allerdings dafür entschieden, die Kosten seiner Ordination selbst zu tragen und an Schwarz weiterzuverrechnen. Das Ziel von Weiß ist die Erzielung eines Gewinns bei gleichzeitiger Deckung der Kosten. Um dieses zu erreichen, muss er eine Planungsrechnung erstellen, in die seine Einnahmen und Ausgaben fließen. In einem ersten Schritt muss er entscheiden, welche Kosten bei der Weiterverrechnung zu berücksichtigen sind. Danach lassen sich die Costsharing-Einnahmen wie folgt erheben (siehe Tabelle „Kostenweiterverrechnung“). Schlussendlich fließen die errechneten Costsharing-Einnahmen in die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung der Ordination Weiß ein (siehe Tabelle „Erfolgsrechnung“). Neben einer schriftlichen Nutzungsvereinbarung zählt zu den wichtigsten Voraussetzungen für eine funktionierende Zusammenarbeit im Rahmen des Costsharing vor allem eine transparente Daten- und Zahlenlage. Erfahrungsgemäß trägt aber vor allem eines zum nachhaltigen Erfolg bei: ein bestehendes Vertrauensverhältnis zwischen den Geschäftspartnern.

Die Vorteile einer ärztlichen Kooperation

  • Kostenersparnis durch gemeinsame Nutzung von Räumlichkeiten und/oder medizinisch-technischem Gerät und zusätzlicher Ressourcen
  • Geringerer Organisations- und Verwaltungsaufwand für EDV, Versicherungen, Räumlichkeiten und Geräte
  • Geringerer Kapitalbedarf für eine „Praxisgründung“
  • Möglichkeit des interdisziplinären Informationsaustauschs
  • Ausgewählte erfahrene Fachärzte und damit kurze Wege für Patienten
  • Mehr Zeit für eine individuelle, persönliche Betreuung und den Aufbau langfristiger         Vertrauensbeziehungen mit Patienten

Zusätzliche Vorteile

  • Modern ausgestattete Ordinationsräume je nach Bedarf
  • Keine Kapitalbindung und Investitionskosten für den „Partner“
  • Zusätzliche Einnahmen für den Ordinationsinhaber
  • Mögliche wertvolle Synergien durch (angebundene) medizinische Zentren

Fachärztin*/-arzt* für Innere Medizin

Herz-Kreislauf-Zentrum Bad Ischl; 4820 Bad Ischl [zur Ausschreibung]

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Facharzt für Orthopädie/Unfallchirurgie/Physikalische Medizin und Allg. Rehabilitation

Moorheilbad Harbach; 3970 Moorbad Harbach [zur Ausschreibung]

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Polizeiärzte

Bundesministerium für Inneres; österreichweit [zur Ausschreibung]

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Facharzt (m/w/d) für Physikalische Medizin/Orthopädie

Gesundheitszentrum Wetzlgut; 5640 Bad Gastein [zur Ausschreibung]

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Abteilungsvorstand Chirurgie (m/w)

Evangelisches Krankenhaus Wien; 1180 Wien [zur Ausschreibung]

KOOPERATIONSPARTNER