Forschungspreise in Österreich – Imagepolitur oder Karriereboost?
Preise für getane Arbeit und hart erarbeitete Erkenntnisse bringen dem Geldbörserl etwas und vielleicht auch dem Ego. Doch wirken Preise auch nachhaltig für die Karriere und rechtfertigt das Ergebnis den Aufwand?
„So interessierte Studenten würde ich mir wünschen“, war das Statement einer Forscherin nach der Langen Nacht der Forschung am 7. November 2009. Kinder, Jugendliche und Erwachsene besuchten Forschungseinrichtungen in ganz Österreich, um ein Bild zu bekommen von einem Beruf, der für viele nicht greifbar scheint. Medizinische Forschung findet auf unzähligen Fachgebieten, in vielen Institutionen und mit unterschiedlicher finanzieller Unterstützung statt. Neben Drittmitteln, die unter der Voraussetzung der Wahrung der Interessen des Geldgebers und der Nutzung der unmittelbaren Resultate von zahlungskräftigen Unternehmen vergeben werden, sind auch öffentliche Gelder und Förderpreise unerlässliche Einnahmequellen, um Forschung überhaupt erst möglich zu machen. Ein Preis, der nicht zuletzt auf Grund der hohen Dotation bei medizinischen Jungforschern durchaus begehrt ist, ist der ALSA, der Austrian Life Science Award, der heuer bereits zum vierten Mal vergeben wurde.
Interview mit dem ALSA-Preisträger 2006, Priv.-Doz. Dr. Herbert Oberacher, Bioanalytical Mass Spectrometry Group am Institut für Gerichtsmedizin, Medizinische Universität Innsbruck
Was bedeutet der Austrian Life Science Award für Sie?
In den letzten Jahren habe ich eine Reihe von wissenschaftlichen Preisen bekommen, auf die ich alle sehr stolz bin. Der ALSA 2006 ist dahingehend etwas Besonderes, weil ich mich hier mit meinen Arbeiten gegen hervorragende Wissenschaftler aus den unterschiedlichsten Gebieten der Life Sciences durchsetzen konnte.
Nutzen sie der geldgebenden Institution mehr als dem Preisträger?
Grundsätzlich nützen Forschungspreise beiden Seiten. Es hängt sehr stark vom Geschick und den Möglichkeiten der geldgebenden Institution ab, wie gut der Forschungspreis PR-technisch genutzt wird. In der Regel nutzen selbst die geldgebenden Institutionen die Werbekraft eines ausgelobten Preises viel zu wenig. Der ALSA ist in dieser Hinsicht eine positive Ausnahme, da sowohl der Preis inklusive Initiatoren und Sponsoren als auch die Preisträger einem breiten Publikum präsentiert werden. Das liegt wahrscheinlich aber auch daran, dass in diesem Fall das Marketing in professionelle Hände gelegt wurde.
Was bringen Forschungspreise Ihrer Ansicht nach?Forschungspreise nutzen dem Preisträger auf mehreren Ebenen:(1) Forschungspreise dienen als Bestätigung der Qualität der geleisteten Arbeiten. Sie sind eine Form der Anerkennung durch Kollegen. Die Wertschätzung motiviert sehr.(2) In gewisser Weise werden Forschungspreise auch als Indikator der Qualität der Forschungsarbeiten eines Wissenschaftlers herangezogen. Im Allgemeinen gilt: Je mehr man hat, umso besser ist man. Daher werden Forschungspreise sicher auch zur Beurteilung eines Wissenschaftlers herangezogen, wenn es z. B. um die Vergabe von Fördermitteln, um Berufungen auf Professuren usw. geht. In diesem Zusammenhang sollte man aber auch kritisch hinterfragen, inwieweit „Seilschaften“ und „Verbindungen“ ausgenutzt wurden, um Preise zu bekommen.(3) Forschungspreise steigern die Bekanntheit innerhalb der Scientific Community und darüber hinaus. Beispielsweise wurde über den ALSA im Standard und in der Kronen Zeitung berichtet. Daraufhin haben viele mehr oder weniger Bekannte Interesse an meinen Forschungsarbeiten gezeigt. Eine lustige Anekdote ist dabei, dass einige eher wenig mit dem Begriff „Forschungspreis“ anfangen konnten. Im Gespräch hat sich oft herausgestellt, dass mit dem Begriff eine Art Preisausschreiben oder Lotterie verbunden wurde. Vielleicht sollte man sich im deutschen Sprachgebrauch eine Alternative zum Begriff „Preis“ überlegen.(4) Das Geld ist eine schöne Sache. Als junger Wissenschaftler ist das Gehalt nicht so hoch. Da freut man sich über jeden Zuschuss.Profitieren Sie karrieremäßig nachhaltig von Forschungspreisen oder sind sie bloß gut für Geldbörse und Ego?Um erfolgreich zu sein und damit Kariere machen zu können, sind einige Faktoren entscheidend. Neben einem gewissen Maß an Zufall oder Glück braucht es Talent und Beharrlichkeit, um wissenschaftlich erfolgreich zu sein. Da unter anderem Forschungspreise als Indikatoren fungieren, die Auskunft über die Qualität der Forschung geben sollen, profitiere ich natürlich davon, wenn ich welche bekomme. Letztendlich muss aber die Qualität meiner Arbeit passen.Sie haben bereits mehrere Preise gewonnen – bedeuten die Bewerbungen nicht häufig einen mühsamen Zeitaufwand?Nein. Der Aufwand hält sich eigentlich in Grenzen. Die Bewerbungsunterlagen, also Begleitschreiben und Publikationen, sind im Normalfall innerhalb eines Tages zusammengestellt.