Wenn viel auf dem Spiel steht
Wenn Meinungen auseinanderdriften, weitreichende Entscheidungen getroffen werden müssen und die Emotionen hochkochen, werden aus Unterhaltungen ganz schnell „heikle Gespräche“, die rasch aus dem Ruder laufen können. Mit wenigen grundlegenden Fertigkeiten können Sie sich aber für derartige Situationen gut rüsten.
Wechseln Gespräche von der Routine zum Wesentlichen, erleben wir professionelles Echtzeit-Multitasking: Unser Gehirn signalisiert „Gefahr“, wir führen Gespräche sinnbildlich lieber mit den Fäusten – also zynisch, sarkastisch, aggressiv oder zornig – als mit intelligenter Überzeugung und Aufmerksamkeit. Gleichzeitig stehen wir unter Druck, weil die Situation spontan kommt, wir sind überfragt, weil sie komplex ist und wir nicht auf bewährte Routinen zurückgreifen können. Druck, Stress und eine aufgeladene Atmosphäre sind aber wahrlich keine optimalen Rahmenbedingungen für Gespräche, die vielleicht über das Sein oder Nicht-Sein der eigenen Karriere entscheiden.
Im Leben jedes Menschen gibt es Momente, die „alles“ – ob beruflich oder privat – entscheiden. Viele dieser so genannten „heiklen“ Gespräche ergeben sich mit wichtigen Menschen in zumeist emotional besonders aufgeladenen Situationen: eine Beförderung, ein Jobwechsel, die Bewerbung beim neuen Arbeitgeber oder die Prüfung an der Uni. Aber auch ein Kritikgespräch mit Kollegen oder die Aufgabenverteilungen im Team können rasch in ein heikles Gespräch ausarten.
Eröffnen Sie den Dialog!
Die Entscheidung, die in solchen Augenblicken gefällt wird, eröffnet meist mehrere Wege, die in vollkommen unterschiedliche Richtungen führen. Die Herausforderung, diese Situation „richtig“ zu meistern, ist im Laufe der Zeit und des Berufslebens komplexer geworden und erfordert daher auch anspruchsvollere Reaktionen als bisher. Wenn es gelingt, in diesen entscheidenden Gesprächen einen echten Dialog und damit eine Beziehung zum Gesprächspartner herzustellen, dann gelingt es meist auch, nicht nur einen Kompromiss im Gespräch zu erzielen, sondern eine kreative neue und für alle Beteiligten gewinnbringende Lösung zu schaffen.
Die Basis bildet eine einfache Erkenntnis: Sie selbst sind die einzige Person, die Sie direkt kontrollieren können! Das heißt: Versuchen Sie nicht im Gespräch Ihr Gegenüber ändern zu wollen, sondern achten Sie auf Ihre eigenen Verhaltensweisen und steuern Sie diese bewusst. Danach konzentrieren Sie sich auf das, was Sie wirklich mit dem Gespräch erreichen wollen – wissen Sie das tatsächlich immer so genau? – und achten Sie darauf, sich nicht in Entweder-oder-Schleifen zu verfangen. Es gibt fast immer mehrere Möglichkeiten als nur zwei, Ihr Gehirn muss nur angespornt werden, auch danach zu suchen, kreativ zu werden und sie zuzulassen. Wechseln Sie die Perspektive – was würde Ihr Kollege, Freund, Vorgesetzter oder Albert Einstein zu einer neuen Lösung sagen?
Foto: Bildagentur Waldhäusl