Dr. med. Julia Eckl-Dorna:
Grenzgängerin zwischen Medizin und Biologie
KARRIERE Medizin traf Dr. med. Julia Eckl-Dorna während ihres kurzen Heimaturlaubs in Wien. Die 30-Jährige lebt seit vier Jahren in London und arbeitet zur Erlangung ihres „Ph.D.“ am renommierten Cancer Research UK London Research Institute.
Nach Abschluss ihres Medizinstudiums im Jahr 2003 – ihre Dissertation widmete sie dem Thema „Schulische Erfolge von Cochlea-implantierten Kindern“ – erhielt sie vom Wiener AKH das Angebot für einen der wenigen und somit heiß begehrten Ausbildungsplätze zur Erlangung des Facharztdiploms im HNO-Bereich. Einer Karriere am Krankenbett konnte die junge Medizinerin aber nichts abgewinnen, es lockte die Forschung. Kein Wunder, hatte Eckl-Dorna doch schon während ihrer Studienzeit laufend in Wien als Mitarbeiterin an verschiedenen Forschungseinrichtungen gewerkt, darunter am Institut für Histologie und Embryologie der Universität Wien sowie am Institut für Schallforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. „Da bin ich zunächst zufällig hineingerutscht und habe rasch herausgefunden, dass mir diese Arbeit großen Spaß macht!“, so die Medizinerin. Eine Vielzahl von Präsentationen und Publikationen unterstreicht dies.
Erste Forschungserfolge in London
Die Freude an der wissenschaftlichen Arbeit ließ Julia Eckl-Dorna 2003 in Wien ein Aufbaustudium der Molekularbiologie beginnen, das sie demnächst in London abschließen wird. Cancer Research ist eine Charity-Einrichtung, die viele Projekte fördert und zwei große Grundlageninstitute – das London und das Cambridge Research Institute – betreibt. „Manche haben mich schlicht für verrückt erklärt, als ich zwecks Horizonterweiterung Österreich verlassen wollte“, gesteht die junge Forscherin freimütig. Als „Mensch ohne großes Sicherheitsdenken“ habe sie sich jedoch um ein Stipendium in London beworben und dieses auch erhalten. Seitdem widmet sie sich als Ph.D.-Aspirantin in einer Forschergruppe rund um Dr. Facundo Batista aktuellen Fragestellungen der Immunologie. Das konkrete Projekt, an dem sie arbeitet, befasst sich – sehr vereinfacht ausgedrückt – mit der grundlegenden Erforschung von Mechanismen, durch welche die Antikörperproduktion gegen Viren verstärkt wird. Ein erster Erfolg konnte bereits verbucht werden, nämlich wie aus diesen Einsichten heraus Verbesserungen bei Impfungen umgesetzt werden könnten. „Der Patentantrag ist im Laufen“, erzählt die Medizinerin nicht ohne Stolz.
London mit Vor- und Nachteilen
An ihrer Arbeit in London schätzt Eckl-Dorna, dass „die Betreuung wesentlich besser ist als in Österreich“ und dass „einem auch wissenschaftliches Denken, das man im Medizinstudium nicht lernt, beigebracht wird“. Während das Interesse in Österreich an Ph.D.-Studenten relativ gering sei, betrachte man diese Personengruppe in England hingegen als Investition in die Zukunft. Und dass sie zudem mit ihrem Chef „großes Glück“ hat, sei ein weiterer, nicht selbstverständlicher Bonuspunkt, so die Zwischenbilanz. Außerdem sei das Verhältnis zwischen Medizinern und Biologen, die in der Forschung oft in einem Konkurrenzverhältnis in Sachen Forschungsgeldern stehen, in England um ein Vielfaches entspannter als in Österreich.
Trotz langer Arbeitszeiten – „es können schon einmal 80 Stunden pro Woche werden“ – fühlt sich die junge Forscherin in London beruflich wie auch privat wohl. „Mit meinem Stipendium, das ungleich zu Österreich jährlich angepasst wird, kann ich in London recht gut leben“, resümiert sie, wenn auch Bescheidenheit angesagt ist. „Meine Wohnung hat zwar nur 18 Quadratmeter, aber ich bin damit zufrieden.“ Negativ – und mit einem Schmunzeln – vermerkt die Wissenschafterin allerdings das typisch englische Wetter und das Fehlen von Bergen. Letzteren Umstand versucht die begeisterte Gipfelstürmerin bei ihren Urlauben in Österreich wieder wettzumachen.
Rückkehr nach Österreich erwünscht
Die Medizinerin und Biologin wird ihre Ausbildung in London voraussichtlich im April 2009 abschließen. Und danach? „Ich werde nach Wien zurückkehren und mir zunächst zwei bis drei Monate Urlaub gönnen“, meint sie verschmitzt. „Vielleicht reise ich quer durch Russland – das hätte ich mir verdient!“ Auch beruflich ist es ihr Wunsch, in Wien, wo ihre Familie lebt, Fuß zu fassen, obwohl sie weiß, dass das nicht einfach werden wird. „Ich möchte ganz generell gute, anwendungsorientierte Forschung im Bereich der Immunologie betreiben und die Zusammenarbeit zwischen Medizinern und Biologen verbessern“, erläutert sie ihre Ansprüche an die Zukunft. In Österreich gibt es jedoch nur wenige ihrem Fachgebiet entsprechende Forschungsstätten. „Mein Traum wäre es, die Möglichkeit zu bekommen, an einer der Top-Forschungsstätten in Wien zu arbeiten“, meint Eckl-Dorna. „Wenn das nicht gelingt, müsste ich – obwohl das trotz besserer Bezahlung nicht mein Wunsch ist – neuerlich ins Ausland gehen.“ Ihr Leben sei nicht unähnlich den Bedingungen in der Forschung: „Man muss vieles überlegen, ausprobieren und seinen Weg finden – aber ich bin zuversichtlich, dass mir das in der einen oder anderen Form gelingen wird.“