Georg Schimper

„Nur ein ‚etwas anderes‘ Hotel!“

 

Über 20 Jahre lang bekleidete Georg Schimper Managementpositionen in der Luxushotellerie. Seit 1998 ist er Direktor einer Seniorenresidenz in Wien und somit „Quereinsteiger“ im Gesundheitswesen.

 

Georg Schimper ist Gastgeber mit Leib und Seele. Nach Abschluss der Hotelfachschule in Wien arbeitete der heute 52-Jährige bis 1991 für die internationale Hotelkette Hilton primär in Wien, jedoch mit „kurzen Gastspielen“ auch in München und Genf. Zuletzt agierte er als Wirtschaftsdirektor des Wien Hilton, mit rund 600 Zimmern das größte Hotel Österreichs. Die folgenden Jahre verbrachte Schimper – ein neuerlicher Karrieresprung – als Hoteldirektor im Burgenland: zunächst im Hotel Eisenstadt, später im Seehotel Rust. „Diese Hotels waren im Vergleich zum Hilton in Wien natürlich viel kleiner, doch boten sie meinen Mitarbeitern und mir unter anderem die Möglichkeit, einen wesentlich besseren Kontakt zu den Gästen zu pflegen und damit die Gästebetreuung zu optimieren. Gästezufriedenheit durch gelebte Gastfreundschaft ist der Kernpunkt der Tätigkeit in der Hotellerie – schließlich kommen nur zufriedene Gäste wieder.“

Ein Stammgast im Seehotel Rust war es auch, der Georg Schimper eines Tages fragte, ob er sich vorstellen könnte, für Humanocare zu arbeiten – als Direktor der damals neu eröffneten Seniorenresidenz Am Kurpark in Wien-Oberlaa. Das Haus zählte damals zu den ersten privat geführten Residenzen in Österreich, die neben seniorengerechten Wohnungen auch Pflegeeinrichtungen am selben Standort anbieten und zudem mit einer hochqualitativen internen Infrastruktur wie Restaurants, Mini-Markt, Veranstaltungsräumen, Schwimmbad und Fitnessraum den Standards eines Vier-Sterne-Hotels durchaus entsprechen. Georg Schimper war „nach der ersten Überraschung über dieses Angebot“ durchaus bereit, die neue Herausforderung anzunehmen – umso mehr, als er zu diesem Zeitpunkt auch mit so manchem Problem älterer Familienangehöriger konfrontiert war.

 

Serviceorientierung als Erfolgsfaktor

„Natürlich musste ich mich in die Spezifika einer Seniorenresidenz einarbeiten“, erzählt der Vater zweier erwachsener Töchter. „Also habe ich mich mit Fachliteratur eingedeckt und, um den Pflegeaspekt kennen zu lernen, auch entsprechende Praktika in anderen Häusern der Gruppe absolviert.“ Ansonsten gab es in Oberlaa für Schimper beruflich nicht viel Neues zu entdecken. „Eine Seniorenresidenz ist nichts anderes als ein etwas anderes Hotel“, erklärt Schimper. Es geht darum, im Verbund mit den Mitarbeitern den Bewohnern qualitativ hochwertige Leistungen zu bieten und das Haus wirtschaftlich zu führen.“

Natürlich profitiert die Seniorenresidenz Am Kurpark davon, dass sie es sich leisten kann, „über dem üblichen Personalschlüssel“ zu agieren. So sorgen dort 109 Mitarbeiter für das Wohl der 320 Bewohner, deren Alter zwischen 57 und 102 Jahren liegt. „Meine Mitarbeiter sind allesamt toll“, lobt der Chef offen. Die vertretenen Berufsgruppen gleichen – mit Ausnahme des medizinischen Fachpersonals – ebenfalls jenen, die auch in Hotels Dienst tun: Köche, Hausdamen, Rezeptionisten, Haustechniker, Marketing- und Finanzexperten. „Das Wichtigste sind auch in Seniorenresidenzen Parameter wie hohe Qualität, Kunden- und Serviceorientiertheit“, betont Schimper. Jeder einzelne Gast, also jeder Bewohner, muss im Mittelpunkt aller Bemühungen stehen. Nur so könne man sich in einem Umfeld des Wettbewerbs positiv positionieren. Dennoch ist die Seniorenresidenz Am Kurpark nicht ausschließlich ein „Haus für Reiche“ – ein Vertrag mit dem Fonds Soziales Wien ermöglicht im Pflegebereich auch eine kontingentierte Aufnahme von Menschen ohne eigenes Vermögen.

 

Sonnen- und Schattenseiten

Die Umstellung vom Hotelchef zum Leiter einer Seniorenresidenz ist Schimper nicht schwer gefallen. Er führt Haus und Team „mit Charme und Konsequenz“, wie es in der Residenz-Broschüre heißt. „Ich finde es schön, Kontakt zu älteren Menschen zu haben und sie oft über viele Jahre hinweg begleiten zu dürfen.“ Und: „Man bekommt eine enge Beziehung zu den Bewohnern, kann an ihren Lebenserfahrungen teilhaben und erfährt vieles aus erster Hand, also Dinge, die man bis dahin nur aus den Medien kannte oder aus einer Zeit, in der man selbst noch gar nicht auf der Welt war.“

Allerdings erlebt man auch Schattenseiten: vormals aktive Senioren, die durch Erkrankungen pflegebedürftig werden, Menschen, die man lange kennt, die versterben. „Diese Erfahrungen sind für alle meine Mitarbeiter nicht einfach“, weiß Schimper. Und so kommt es, dass auch er hin und wieder Supervision in Anspruch nimmt, um derartige Erlebnisse zu verarbeiten. Besonders freut es den Residenz-Chef, wenn ältere Menschen sich in seinem Haus persönlich näher kommen oder zusammenfinden. „Zuneigung und Liebe im Alter werden oft verdrängt oder tabuisiert“, bedauert er, „dabei handelt es sich um elementare Dinge des Lebens.“ Und so berichtet er auch strahlend, dass er schon als Trauzeuge für ein Paar fungieren durfte, das den Bund fürs Leben in der hauseigenen Kapelle geschlossen hat – das „junge Ehepaar“ ist immerhin jeweils weit über 80 Jahre alt.

 

Plädoyer für eine Entstigmatisierung des Alterns

Ganz generell bedauert Schimper, dass das Image von Senioren- und Pflegeheimen in weiten Teilen nicht das beste ist. Skandale der Vergangenheit, tatsächliche Missstände und daraus resultierende negative Berichte haben dazu geführt, dass Pflegeeinrichtungen stigmatisiert sind und dass viele Menschen „den Weg in ein Heim“ als persönliche Bedrohung verstehen. „Es ist in Österreich noch nicht üblich, sich vorsorglich mit seinem Leben in späteren Jahren zu beschäftigen“, erklärt Schimper, „dieser Aspekt wird noch immer verdrängt.“ Doch würde es neue Wohnformen für eine immer älter werdende Bevölkerung brauchen, deren Qualitätsansprüche ebenso im Steigen begriffen sind, sowie finanziell leistbare Modelle dafür, da auch in Österreich die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter aufgeht. „Derzeit fehlen jedoch seitens der Politik nachhaltige und langfristige Strategien, die sicherstellen, dass ältere und alte Menschen ihren Lebensabend in Würde und in einer für sie akzeptablen Umgebung verbringen können“, betont Schimper. Viele öffentliche Senioreneinrichtungen wüssten ganz genau, wie sie ihre Dienstleistungen optimieren könnten – allein, es fehlt an Geld.

Und was macht der Manager einer Senioreneinrichtung in seiner Freizeit? Schimper: „Ich genieße unser Haus in Niederösterreich und gehe mit meiner Frau gerne in die Berge zum Wandern. Außerdem baut meine ältere Tochter gerade ein Haus im Nachbarort. Daher ist halt der Herr Papa häufig als Fliesenleger oder Notfall-Handwerker gefragt.“ Und auch das – so kann man sicher sein – erledigt er mit Charme und Konsequenz.

 

 

Humanocare auf einen Blick

Die Humanocare-Gruppe betreibt in Österreich vier eigene Seniorenresidenzen sowie über Managementverträge weitere Einrichtungen anderer Betreiber (z.B. Gemeinden) in Wien, Salzburg, Tirol und Vorarlberg. Insgesamt beschäftigt Humanocare in ihren eigenen Häusern 650 Mitarbeiter für 850 Personen. Die Seniorenresidenz Am Kurpark in Wien-Oberlaa ist das größte Haus und „Flaggschiff“ der Gruppe: 320 Personen leben dort, betreut von 109 Mitarbeitern.

 

Kontakt:

www.humanocare.at

www.seniorenresidenz.at