Kompetenz, Kommando & Karriere

107 Sanitätsoffiziersanwärter (SanOA), darunter 70 Frauen, haben am 24. Juli 2008 in der niederbayerischen Gemeinde Rain ihren Eid auf die Bundesrepublik Deutschland abgelegt. Was hat die jungen Frauen und Männer veranlasst, zur Bundeswehr zu gehen?

 

Soldat und Arzt, Bundeswehr und Studium – das passt für viele überhaupt nicht zusammen. Auch das Studium der Medizin selbst stellt innerhalb der Bundeswehr eine Ausnahme dar, weil es nicht an den Universitäten der Bundeswehr in Hamburg und München angeboten wird. Stattdessen wird über einen festen Schlüssel von den Bundesländern ein gewisses Kontingent an Studienplätzen für die Fächer Human-, Zahn- und Veterinärmedizin sowie Pharmazie zur Verfügung gestellt. Diese verteilt die Bundeswehr nach eigenen Kriterien unter den Offiziersanwärtern.

Für die Zeit des Studiums wird man beurlaubt, erhält jedoch weiterhin Gehalt und kann jederzeit für den militärischen Dienst herangezogen werden. In der Praxis ist das jedoch nur bei einigen wenigen Anlässen, wie zum Beispiel dem Offizierslehrgang oder einem Truppenpraktikum, der Fall. Während des Studiums wohnt man zu Hause oder in der Kaserne, bezieht ein monatliches Gehalt und muss sich einmal pro Monat bei seiner Einheit melden.

 

Grundüberlegungen für ein Medizinstudium

Insbesondere das Gehalt der Studenten der Bundeswehr ist bei den zivilen Studenten häufig ein Stein des Anstoßes. Doch allzu oft wird dabei vergessen, das jedem die Möglichkeit einer Bewerbung bei der Bundeswehr offensteht und jeder „militärische“ Medizinstudent sich verpflichtet hat, mindestens 17 Jahre bei der Bundeswehr zu arbeiten. Diese 17 Jahre beinhalten auch die Studienzeit selbst. Nach dem Studium besteht jedoch keineswegs die Möglichkeit, beispielsweise die nächsten elf Jahre als Arzt in seiner Heimatstadt zu verbringen. Man muss vielmehr fest mit häufigen Versetzungen im Inland sowie auch mit Auslandseinsätzen rechnen. Das erfordert viel Flexibilität und Mobilität auch seitens der Partnerin bzw. des Partners.

 

Der weitere Weg nach dem Studium

Nach dem Studium findet für alle fertig ausgebildeten Ärzte eine dreijährige klinische Einführungsphase statt. Danach wird man als Arzt in einem der deutschlandweiten Sanitätszentren (z.B. für Angehörige der Marine als Schiffsarzt) eingesetzt. Persönliche Fähigkeiten, Leistungen und freie Plätze entscheiden danach über den weiteren Werdegang. Eine Ausbildung in fast allen fachärztlichen Richtungen ist ebenso möglich wie ein späterer Wechsel in ein administratives Betätigungsfeld jenseits der praktischen Medizin. Eine weitere Möglichkeit des späteren Einsatzfeldes ist der Bereich der Forschung, dort sind die Kapazitäten allerdings (wie überall) äußerst knapp bemessen.

 

Als Arzt bei der Bundeswehr

Wer Medizin studiert hat, hat die Möglichkeit, seinen Grundwehrdienst als Sanitätsoffizier abzuleisten. Inzwischen setzt die Bundeswehr dafür keine Wehrpflichtigen mehr ein, sondern nur noch Hauptamtliche. Gute Allgemeinmediziner sucht man für die Stellen der Musterungsärzte; Berufserfahrung wirkt sich dabei sehr vorteilhaft aus. Im Gegensatz zu niedergelassenen oder klinischen Ärzten gibt es für Musterungsärzte geregelte Dienstzeiten sowie die Chance, Beamter zu werden – oder sogar in Teilzeit zu arbeiten. Auf diese Weise lassen sich gerade für Ärztinnen Beruf und familiäre Verpflichtungen leichter unter einen Hut bringen.

Bewerber müssen sich allerdings im Klaren darüber sein, dass sich ihre Tätigkeit als Musterungsarzt grundsätzlich von der klassischen Arbeit als Mediziner unterscheidet. Man ist Gutachter und nicht Behandler! Außerdem darf man keine Abneigung gegen Verwaltungsarbeiten haben, denn es gibt viele Bestimmungen, wie Musterungen abzulaufen haben. Dass ein Musterungsarzt später wieder an eine Klinik zurückkehrt, erlebt man selten, eher erfolgt ein Wechsel zu anderen Behörden, etwa in den arbeitsmedizinischen Dienst.